Im Jahr 2020 aktualisierte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihre Leitlinien zur körperlichen Aktivität und hob insbesondere die Bedeutung der Reduktion sedentärer Verhaltensweisen wie lang andauerndes Sitzen oder Liegen hervor. 1 Die Empfehlungen gelten populationsübergreifend für alle Altersgruppen ab 5 Jahren, unabhängig von funktionellen Einschränkungen oder bestehenden Erkrankungen.
Das aktuelle EULAR-Update adressiert Patient:innen mit entzündlichen Arthritiden sowie Osteoarthritis und umfasst insgesamt 11 Empfehlungen. Diese reichen von der Implementierung körperlicher Aktivität als festen Bestandteil der Standardversorgung bis hin zum gezielten Einsatz digitaler Technologien (z. B. Wearables) zur Unterstützung der Verhaltensänderung.
Kernaussagen des EULAR-Updates:
- Aerobe Aktivität: 150–300 Minuten moderater oder 75–150 Minuten intensiver Belastung pro Woche (gemäß WHO 2020)
- Muskelkräftigung: mindestens zweimal wöchentlich unter Einbezug aller großen Muskelgruppen
- Flexibilitäts- und neuromotorisches Training: regelmäßig, idealerweise mehrmals pro Woche
- Sedentäres Verhalten: häufige Unterbrechung von Sitzphasen durch kurze Aktivitätsintervalle
- Zielgruppen: Patient:innen mit rheumatoider Arthritis, Spondyloarthritis sowie Osteoarthritis der Hüfte und/oder des Knies
Eine wesentliche Änderung betrifft die Struktur der Bewegungseinheiten. Die zuvor empfohlene Mindestdauer von 10 Minuten pro Aktivitätseinheit entfällt. Stattdessen wird ein Akkumulationsmodell propagiert, bei dem auch sehr kurze Aktivitätsphasen ("Bewegungssnacks") von wenigen Sekunden bis Minuten über den Tag verteilt berücksichtigt werden. Beispiele umfassen kurzes Treppensteigen, einfache Kräftigungsübungen (z. B. 10 Kniebeugen oder Liegestütze), kurze Gehstrecken oder 30 Sekunden Seilspringen. Diese Anpassung basiert auf Evidenz, dass auch kurze Aktivitätsimpulse messbare gesundheitliche Effekte erzielen können.2
Hinsichtlich der Sicherheit zeigen die ausgewerteten Studien, dass unerwünschte Ereignisse im Zusammenhang mit Bewegungstherapie in dieser Patientengruppe überwiegend mild und vorübergehend sind (z. B. Muskelschmerzen, Fatigue). Negative Effekte auf die Krankheitsaktivität wurden nicht berichtet.
Erstmalig wird im aktuellen Update explizit der Einsatz technologiebasierter Interventionen berücksichtigt. Randomisierte kontrollierte Studien belegen, dass digitale Monitoring-Tools und Feedbackmechanismen die Adhärenz fördern und die Motivation zur körperlichen Aktivität nachhaltig unterstützen können.
Die ursprünglichen EULAR-Empfehlungen wurden 2018 publiziert.3 Das jetzt veröffentlichte Update 2025 basiert auf einer systematischen Evidenzsynthese mit insgesamt 54 systematischen Reviews, 31 randomisierten kontrollierten Studien sowie 25 qualitativen Studien.