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Expert:innen sehen steigendes Chikungunya-Risiko in Europa

Eine neue Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sich das Chikungunya-Virus hingegen bisheriger Annahmen bei niedrigeren Temperaturen übertragen kann. Dies bedeutet, dass Europa in Zukunft wahrscheinlich deutlich stärker betroffen sein wird.

In der Vergangenheit war Chikungunya auf tropische Regionen beschränkt, das Virus breitet sich im Zuge der globalen Erwärmung jedoch zunehmend aus. In den vergangenen Jahren gab es bereits größere Ausbrüche in Italien, Frankreich und Spanien. In Österreich ist bisher keine direkte Ansteckung bekannt.

Chikungunya verursacht Fieber und starke Gelenkschmerzen, weitere häufige Symptome sind Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit und Hautausschlag. In der Regel klingen die Beschwerden innerhalb weniger Tage wieder ab. In einigen Fällen bleiben die Gelenkschmerzen jedoch über Wochen, Monate oder sogar Jahre bestehen.

In seltenen Fällen ist Chikungunya tödlich. Besonders gefährdet sind vor allem chronisch Kranke, Schwangere und Säuglinge. Nach einer überstandenen Chikungunya-Infektion ist man nach derzeitigem Kenntnisstand lebenslang immun.

Die neue Studie wertete Daten aus, um zu bestimmen, ab welcher Mindesttemperatur das Virus durch die Asiatische Tigermücke übertragen werden kann. Demnach ist eine Übertragung bei Temperaturen zwischen etwa 14 und 32 Grad Celsius möglich, wobei rund 26 Grad Celsius als optimal gelten.

Damit ist eine Verbreitung vor allem im Juli und August wohl in den meisten Teilen Europas möglich, in südlichen Regionen sogar von Mai bis November. Österreich wird als Region mit mittlerem Risiko eingestuft.

Hauptüberträger des Chikungunya-Virus sind in Europa die Asiatische Tigermücken. Seit ihrer Einschleppung in Südeuropa im Jahr 2007 hat sich die Art nach Mitteleuropa ausgebreitet. In Österreich wurde die erste Asiatische Tigermücke im Jahr 2012 entdeckt und in den darauffolgenden Jahren wurden nur vereinzelt Tigermücken nachgewiesen. 2022 wurde die Tigermücke erstmals in allen Bundesländern in Österreich gefunden. In Wien, Graz und Linz gibt es etablierte Populationen, die den Winter überstehen können.

Die Zahl durch Aedes-Mücken übertragener Arbovirus-Infektionen werden in Europa jährlich um etwa 25 % zunehmen. In südeuropäischen Ländern komme es bereits zu wiederkehrenden Chikungunya- und Dengue-Ausbrüchen.

Auch das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) geht davon aus, dass die Ansteckung mit Erregern wie West-Nil- oder Chikungunya-Virus in Europa zur neuen Realität wird. Als Gründe für die zunehmende Verbreitung der Krankheiten in Europa nennt das ECDC klimatische Bedingungen, die die Stechmücken gedeihen lassen: steigende Temperaturen, längere Sommerperioden, mildere Winter und Veränderungen in den Niederschlagsmustern.

Derzeit gibt es keine spezifische antivirale Therapie gegen das Chikungunya-Virus, aber es sind zwei  Impfstoffe verfügbar.