Hausärzt:in 01/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Schizophrenie: ungenutztes Potential digitaler Technologie

Ein Team der MedUni Innsbruck zeigte in einer Übersichtarbeit, wie Smartphones und Wearables die Diagnostik und Vorhersage von Schizophrenie-Spektrum-Störungen revolutionieren könnte. 

Die Diagnose und Behandlung von Schizophrenie-Spektrum-Störungen (SSD) stellen häufig noch eine große Herausforderung dar. Diagnosen basieren oft auf subjektiven klinischen Gesprächen, während Symptome im Alltag der Betroffenen aber stark schwanken können. Die neue Studie untersuchte, wie "Digital Phenotyping" – die digitale Vermessung des Verhaltens durch Smartphones und Fitness-Tracker dabei helfen könnte, Diagnosen zu stellen oder psychotische Rückfälle vorherzusagen.

"Digital Phenotyping" nutzt Daten, die wir täglich generieren: aktive Eingaben auf dem Smartphone (wie kognitive Spiele oder Stimmungstagebücher) und passive Daten von Sensoren (wie Bewegungsmuster, Schlafqualität oder Sprachanalysen).

Die Analyse ergab, dass digitale Messungen Patient:innen mit SSD deutlich von gesunden Kontrollgruppen unterscheiden können. Besonders hervorzuheben sind dabei digitale kognitive Tests, die die stärkste Aussagekraft zeigten, gefolgt von Daten zu Verhalten und körperlicher Aktivität, die oft über Wearables gemessen wurden.

Interessanterweise stimmten diese objektiven digitalen Daten oft nur schwach mit den traditionellen klinischen Fragebögen überein. Dies deutet darauf hin, dass digitale Technologien nicht einfach nur bestehende Tests kopieren, sondern neue Aspekte der Erkrankung erfassen, die eventuell im klinischen Gespräch oder in Fragebögen verborgen bleiben könnten.

Die Autor:innen erklären dazu: "Die Diagnose psychischer Erkrankungen gleicht heute oft einer Momentaufnahme: Wir sehen, wie es Patient:innen während des kurzen Arztbesuchs geht. Digitale Technologien ermöglichen uns hingegen, einen besseren kontinuierlichen Verlauf des Gesundheitszustandes zu sehen."

Um das volle Potenzial der digitalen Medizin für Menschen mit Schizophrenie zu nutzen, fordert das Innsbrucker Team standardisierte Berichtsrichtlinien und größere Langzeitstudien. Nur so können aus vielversprechenden Forschungsdaten verlässliche medizinische Anwendungen werden, die Patient:innen weltweit zugutekommen.