Eine gepoolte Analyse mehrerer Kohortenstudien des US National Heart, Lung, and Blood Institute untersuchte den Einfluss der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) im Vergleich zu Adipositas, arterieller Hypertonie und Typ-2-Diabetes auf die Lebenserwartung. Eingeschlossen wurden 45.886 Erwachsene (mittleres Alter 52,4 Jahre), bei denen mindestens einmal die Einsekundenkapazität (FEV1) bestimmt worden war. Die COPD-Stadieneinteilung erfolgte anhand der FEV1 (% des Sollwerts): Stadium 1 (>80 %), Stadium 2 (50–80 %), Stadium 3 (30–50 %) und Stadium 4 (<30 %).
Zum Studienbeginn wiesen 8.958 Teilnehmende (17,6 %) eine COPD auf. Während einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 15,2 Jahren traten 13.859 Todesfälle auf. Es zeigte sich eine klare stadienabhängige Zunahme der Mortalität. Der geschätzte Verlust an Lebensjahren betrug 0,7 Jahre in Stadium 1, 2,6 Jahre in Stadium 2, 5,1 Jahre in Stadium 3 und 7,1 Jahre in Stadium 4.
Die Ätiologie des FEV1-Rückgangs hatte keinen Einfluss auf den Verlust an Lebensjahren. Obwohl Tabakrauchen weiterhin der häufigste Risikofaktor ist, gewinnen nicht-tabakassoziierte Ursachen wie Luftverschmutzung und Feinstaubbelastung zunehmend an Bedeutung. Bemerkenswert ist, dass 26,6 % der COPD-Betroffenen in der Studie nie geraucht hatten, und in vergleichbaren Krankheitsstadien unterschieden sich die Lebenserwartungsverluste nicht von denen aktiver oder ehemaliger Raucher.
Im Vergleich dazu zeigte sich für andere häufige Komorbiditäten ein geringerer Einfluss auf die Lebenserwartung. Adipositas war mit einem Verlust von 0,5 Jahren assoziiert, arterielle Hypertonie mit 2,7 Jahren, Typ-2-Diabetes mit 4,1 Jahren und aktives Rauchen mit 5,5 Jahren.
Mit zunehmendem Alter verstärkt sich der absolute Verlust an Lebensjahren. Für einen 65-jährigen Menschen ohne COPD beträgt die verbleibende Lebenserwartung etwa 21,5 Jahre. Bei vorliegender COPD reduziert sich diese auf 20,0 Jahre (Stadium 1), 16,4 Jahre (Stadium 2), 13,1 Jahre (Stadium 3) und 10,7 Jahre (Stadium 4).
Therapeutisch stehen für COPD bronchodilatative Substanzen zur Verbesserung der Lungenfunktion sowie Antibiotika zur Behandlung akuter Exazerbationen zur Verfügung. Ein gesicherter Effekt auf die Gesamtmortalität ist jedoch für diese Maßnahmen nicht eindeutig belegt. Evidenzbasiert lebensverlängernd wirken insbesondere die Nikotinkarenz, die zu einer Stabilisierung bzw. Verbesserung der FEV1 beitragen kann, sowie bei fortgeschrittener Erkrankung die Sauerstofftherapie und die operative Lungenvolumenreduktion.