HAUSÄRZT:IN: Wie schätzen Sie das Wissen niedergelassener Ärzt:innen zur Ernährung von Babys und Kleinkindern ein, in welchen Bereichen besteht noch Informations- bzw. Beratungsbedarf?
Mag.a SEILER: Grundsätzlich ist das Wissen in der Pädiatrie und Allgemeinmedizin häufig gut. Gleichzeitig ist die Ernährung im Säuglings- und Kleinkindalter ein Bereich, in dem sich Empfehlungen weiterentwickeln und Eltern heute mit einer enormen Menge an – nicht immer evidenzbasierter – Information konfrontiert sind. Deshalb sehe ich weniger ein grundsätzliches Wissensdefizit als vielmehr einen Bedarf an regelmäßiger Aktualisierung und an praktikabler Beratung für den Alltag. Häufige Fragen betreffen den optimalen Zeitpunkt und die Gestaltung der Beikost, die Einführung potenziell allergener Lebensmittel, vegetarische und vegane Ernährungsformen, Nahrungsergänzungsmittel sowie den Übergang zur Familienkost. Auch der Umgang mit selektivem Essverhalten, Zucker und stark verarbeiteten Lebensmitteln gewinnt zunehmend an Bedeutung. Wichtig ist, Eltern nicht mit einer langen Liste von Verboten allein zu lassen. Gute Ernährungsberatung sollte wissenschaftlich korrekt, aber zugleich alltagstauglich und entlastend sein.