Die staatliche Krankenversicherung in Südkorea bietet Erwachsenen regelmäßig kostenfreie Vorsorgeuntersuchungen an, in deren Rahmen auch das Rauchverhalten erfasst wird. Auf Basis dieser Daten analysierten Kim et al. eine Kohorte von rund 4,5 Mio. jemals Rauchenden. Unter den 2018 untersuchten Teilnehmer:innen hatten 767.273 kürzlich mit dem Rauchen aufgehört, ohne E‑Zigaretten zu nutzen, während 20.495 auf E‑Zigaretten umgestiegen waren. Weitere 1,41 Mio. hatten bereits zwischen 2012 und 2014 abstinent gelebt ohne E‑Zigaretten, wohingegen 5.050 ihre Abstinenz mittels E‑Zigaretten erreicht hatten.
Im Vergleich zu fortgesetztem Rauchen zeigte sich bei vollständiger Nikotinabstinenz eine signifikante Reduktion der Lungenkrebsinzidenz um 44 % (aHR 0,56). Dagegen war bei Nutzung von E‑Zigaretten nach Rauchstopp lediglich eine nicht signifikante Reduktion um 12 % zu beobachten (aHR 0,88). Im direkten Vergleich zu vollständig abstinenten Ex‑Raucher:innen war die Lungenkrebsinzidenz bei E‑Zigaretten-Nutzenden um 56 % erhöht (aHR 1,56), das lungenkrebsspezifische Mortalitätsrisiko sogar verdoppelt (aHR 2,00). Besonders ausgeprägt war das Risiko bei Personen mit hoher kumulativer Tabakexposition (> 20 Packungsjahre).
Diese Dosis-Wirkungs-Beziehung wird von Expert:innen als Hinweis auf ein potenzielles kanzerogenes Risiko von E‑Zigaretten gewertet. Entsprechend wird insbesondere bei stark vorbelasteten ehemaligen Raucher:innen ein vollständiger Nikotinverzicht empfohlen. E‑Zigaretten gelten als risikobehaftet und sind nicht als evidenzbasierte Entwöhnungsinstrumente anerkannt. Stattdessen sollten etablierte Maßnahmen wie digitale Gesundheitsanwendungen, telefonische Beratung, strukturierte Entwöhnungsprogramme sowie medikamentöse und nikotinersetzende Therapien genutzt werden.
Die vorliegenden Daten stellen zudem das Konzept der "Harm Reduction" durch E‑Zigaretten infrage. Insbesondere das deutlich erhöhte Risiko lungenkrebsspezifischer Mortalität deutet darauf hin, dass aerosolbasierte Inhalationsprodukte keineswegs als harmlos anzusehen sind. Langfristig wird zudem eine Zunahme des Dual-Use von Tabak- und E‑Zigaretten befürchtet.
Ergänzend weisen neue experimentelle Daten darauf hin, dass Zusatzstoffe in E‑Zigaretten, insbesondere Kühlstoffe wie Menthol sowie synthetische Substanzen (z. B. WS‑3, WS‑23), potenziell kardiovaskuläre Effekte haben. Diese Substanzen aktivieren TRPM8-Kanäle und modulieren sensorische Reize, können jedoch auch die Herzfrequenz beeinflussen. Tierexperimentelle und zelluläre Studien zeigen Veränderungen der kardialen Erregbarkeit und Repolarisation sowie eine Zunahme ventrikulärer Extrasystolen, insbesondere unter zusätzlicher adrenerger Stimulation. Klinisch könnten solche Effekte das Risiko für Arrhythmien, Hypertonie und andere kardiovaskuläre Ereignisse erhöhen. Während ventrikuläre Extrasystolen bei herzgesunden Personen meist benign sind, können sie bei Risikopatient:innen potenziell schwerwiegende Rhythmusstörungen bis hin zum plötzlichen Herztod triggern.