Hausärzt:in 02/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Tenecteplase bei Schlaganfall und retinalem Arterienverschluss

Zwei neue Studien untersuchten die Wirkung und Komplikationen von Tenecteplase bei Menschen mit akutem ischämischem Schlaganfall oder akuter, nicht-arterieller zentraler Netzhautarterienverschlusserkrankung.

Tenecteplase ist ein gentechnisch hergestellter rekombinanter Gewebsplasminogenaktivator (rtPA), der spezifisch an Fibrin im Thrombus bindet und Plasminogen zu Plasmin aktiviert, wodurch der Thrombus aufgelöst wird.

In einer randomisierten, offenen Studie beim akuten ischämischen Schlaganfall wurde Tenecteplase als intravenöser Bolus mit einer Standardbehandlung verglichen. Die häufigste Lokalisation der Okklusion war das M2-Segment der mittleren Hirnarterie. Ein exzellentes funktionelles Outcome konnte bei 43,6 % der Patient:innen in der Tenecteplase-Gruppe und bei 34,3 % in der Kontrollgruppe erreicht werden. Funktionelle Unabhängigkeit nach 90 Tagen zeigte sich bei 62,8 % unter Tenecteplase und bei 55,3 % unter Standardtherapie. Eine Reperfusion nach 24 Stunden wurde bei 37,7 % der Tenecteplase-Behandelten im Vergleich zu 28,8 % in der Kontrollgruppe erreicht. Allerdings traten in der Tenecteplase-Gruppe acht Fälle symptomatischer intrakranieller Blutungen innerhalb von 36 Stunden auf, während in der Standardgruppe kein Fall beobachtet wurde.

Bei Patient:innen mit akuter, nicht-arterieller zentraler Netzhautarterienverschlusserkrankung wurde in einer weiteren randomisierten Phase-III-Studie intravenöse Tenecteplase mit oralem Placebo plus Aspirin verglichen. Primärer Endpunkt war die Wiederherstellung des Sehvermögens (bestkorrigierte Sehschärfe ≤ 0,7 logMAR nach 30 Tagen). Nach 30 Tagen hatten 20 % der Tenecteplase-Patient:innen und 24 % der Aspirin-Gruppe ihr Sehvermögen wiedererlangt. In der Tenecteplase-Gruppe traten häufiger unerwünschte Ereignisse auf (30 vs. 19), darunter eine tödliche intrakranielle Blutung.

Insgesamt zeigt Tenecteplase beim akuten ischämischen Schlaganfall eine gesteigerte Reperfusion und bessere funktionelle Ergebnisse im Vergleich zur Standardtherapie, jedoch bei erhöhtem Risiko für intrakranielle Blutungen. Beim zentralen Netzhautarterienverschluss konnte kein klinischer Vorteil gegenüber Aspirin nachgewiesen werden, während das Risiko schwerer Blutungen bestehen bleibt.