Die Prävalenz der Hyperkaliämie (Serum‑Kalium > 5,0 mmol/l) ist in der Allgemeinpopulation 1,5–2,5 %. Bei Notfallpatient:innen beträgt die Prävalenz aber etwa 3,6 %. Die Häufigkeit der Hyperkaliämie ist abhängig von Komorbiditäten, wie chronischer Nierenerkrankung (CKD), Herzinsuffizienz, Diabetes mellitus und bei der Einnahme von Medikamenten, wie RAAS‑Inhibitoren.
Hyperkaliämie zeigt häufig nur subtile Symptome, kann aber potenziell lebensbedrohlich sein. Schwere Erhöhungen können kardiale Arrhythmien, Muskelschwäche und Herzstillstand auslösen. Die Mortalität ist insbesondere bei komorbiden Patienten erhöht.
Diagnose:
- Labordiagnostik: Serum‑Konzentration möglichst ohne Stauung ermitteln; bei erhöhter Kaliumkonzentration rasch Bestätigungsmessung empfehlen, idealerweise auch per Blutgasanalyse.
- EKG: EKG‑Veränderungen können auftreten, korrelieren aber nicht verlässlich mit dem Schweregrad.
- Differenzialdiagnose: Abklärung der Ursache erfolgt über Anamnese (Medikation, Ernährung, Nebenbefunde), Nierenfunktion (Kreatinin, eGFR), renale Kaliumausscheidung und ggf. fraktionelle Exkretionsrate oder Kalium‑Kreatinin‑Ratio im Urin.
Therapie:
- Akutmaßnahmen bei schwerer Hyperkaliämie (> 6,0 mmol/l):
- Stabilisierung der kardialen Erregungsleitung (z. B. Calciumgluconat),
- Förderung des Kalium‑Shifts in den Intrazellularraum (z. B. Insulin/Glukose, Beta‑Agonisten),
- Erhöhung der Kaliumelimination (renal oder intestinal).
- Ursachenbehandlung: Dosisanpassung von RAAS‑Inhibitoren, Behandlung von Niereninsuffizienz, Volumenmanagement und Ausschluss sekundärer Ursachen.
- Prävention: Früherkennung bei Risikopatient:innen, Anpassung medikamentöser Therapie und regelmäßige Kontroll‑Laboruntersuchungen; Point‑of‑Care‑Analysen unterstützen rasche Entscheidungen.
Die Hyperkaliämie ist eine im klinischen Alltag regelmäßig anzutreffende und bei bestimmten Patient:innenpopulationen häufige Elektrolytstörung. Eine fundierte Labor‑ und klinische Diagnostik in Verbindung mit einer gezielten akuten und ursachenorientierten Behandlung erhöht die Patientensicherheit und verbessert die Prognose.