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Statine im höheren Alter: Welchen Nutzen bringen sie?

Viele ältere Menschen haben ein hohes kardiovaskuläres Risiko, der Nutzen von Statinen zur Primärprävention war jedoch bislang umstritten. Die STAREE-Studie liefert nun wichtige Daten zu Wirksamkeit und Sicherheit bei über 70-Jährigen.

Die Ergebnisse der STAREE-Studie wurden kürzlich auf der Jahrestagung der European Society of Cardiology (ESC) in München vorgestellt. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse deutlich an. Daher könnten auch ältere Menschen von einer lipidsenkenden Statintherapie profitieren, die in jüngeren Populationen einen etablierten Stellenwert in der Primär- und Sekundärprävention besitzt.

Allerdings war bislang unklar, ob der Nutzen von Statinen bei Hochbetagten dem jüngerer Patient:innengruppen entspricht. Eine Metaanalyse der Cholesterol Treatment Trialists’ Collaboration aus dem Jahr 2019 zeigte, dass eine Senkung des LDL-Cholesterins um 1,0 mmol/l bei Personen über 70 Jahren mit einer Reduktion des Risikos für schwere kardiovaskuläre Ereignisse um 16 % verbunden ist. Bei den über 75-Jährigen fiel die Risikoreduktion mit 8 % deutlich geringer aus.

Zudem bestehen im höheren Lebensalter Bedenken hinsichtlich potenzieller Nebenwirkungen. Hierzu zählen insbesondere Muskelsymptome, Leberfunktionsstörungen sowie kognitive Beeinträchtigungen, wobei ein negativer Einfluss von Statinen auf die Kognition bislang nicht nachgewiesen werden konnte. Darüber hinaus erhöhen Polypharmazie und mögliche Arzneimittelinteraktionen das Risiko statinassoziierter Nebenwirkungen wie Myopathien. Auch das Risiko für einen Typ-2-Diabetes wird in diesem Zusammenhang diskutiert.

Die randomisierte, placebokontrollierte STAREE-Studie untersuchte daher den Nutzen einer Statintherapie zur Primärprävention bei 9.971 Personen im Alter von mindestens 70 Jahren. Eingeschlossen wurden Teilnehmer:innen ohne vorausgegangene kardiovaskuläre Ereignisse, Diabetes mellitus Typ 2 oder kognitiven Einschränkungen.

Die Studienteilnehmer:innen erhielten randomisiert entweder Atorvastatin 40 mg täglich oder Placebo. Die Studie verfolgte zwei primäre Endpunkte. Der erste primäre Endpunkt umfasste das Auftreten von Myokardinfarkt, Schlaganfall, koronarer Revaskularisation oder kardiovaskulärem Tod. Der zweite primäre Endpunkt war das "disability-free survival", definiert als Überleben ohne Demenz, dauerhafte körperliche Behinderung oder Tod jeglicher Ursache. Der erste primäre Endpunkt wurde erreicht. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 5,9 Jahren traten in der Atorvastatin-Gruppe bei 297 Teilnehmenr:innen (10,9 Ereignisse/1.000 Personenjahre) kardiovaskuläre Ereignisse auf, verglichen mit 412 Teilnehmenr:innen (15,5 Ereignisse/1.000 Personenjahre) unter Placebo. Dies entsprach einer Hazard Ratio (HR) von 0,70. Bei einer mittleren LDL-Senkung um 0,90 mmol/l fiel der beobachtete Nutzen höher aus als auf Grundlage früherer Metaanalysen zu erwarten gewesen wäre.

Der Effekt war vor allem auf eine Reduktion nicht tödlicher Ereignisse zurückzuführen. Das Risiko für Myokardinfarkte war unter Atorvastatin um 43 % reduziert, die Notwendigkeit koronarer Revaskularisationen um 44 %. Auch Schlaganfälle traten numerisch seltener auf, ohne dass sich ein signifikanter Effekt zeigte. Die kardiovaskuläre Mortalität unterschied sich hingegen nicht zwischen den Gruppen (HR 1,00). 

Für den zweiten primären Endpunkt ergab sich kein signifikanter Vorteil der Statintherapie. Ereignisse im Sinne einer dauerhaften Behinderung, Demenz oder des Todes traten bei 637 Personen der Atorvastatin-Gruppe (21,6 Ereignisse/1.000 Personenjahre) und bei 676 Personen der Placebogruppe (23,0 Ereignisse/1.000 Personenjahre) auf. Die Anzahl der Demenzdiagnosen war in beiden Gruppen vergleichbar. Dies spricht gegen einen nachteiligen Effekt der intensiven LDL-Senkung auf die kognitive Funktion. Unter Atorvastatin sank der mittlere LDL-Cholesterinwert von 126 mg/dl auf 78 mg/dl.

Auch hinsichtlich der Sicherheit zeigten sich keine wesentlichen Unterschiede. Schwere Nebenwirkungen traten in beiden Gruppen mit einer Häufigkeit von 2,7 % auf. Unter Atorvastatin wurden jedoch muskuloskelettale Beschwerden (1,1 % vs. 0,9 %), Leberfunktionsstörungen (1,4 % vs. 0,3 %) sowie Diabetes beziehungsweise Diabeteskomplikationen (1,1 % vs. 0,7 %) etwas häufiger beobachtet.

Bemerkenswert war die im Studienverlauf abnehmende Therapieadhärenz. Nach fünf Jahren nahmen nur noch 55,6 % der Teilnehmer:innen in der Atorvastatin-Gruppe und 47,0 % in der Placebogruppe die Studienmedikation weiterhin ein.