Hausärzt:in 7-8/2026
Ärzt:in Assistenz 2026

RSV: Hohe Krankheitslast, wirksame Prävention

RSV verursacht nicht nur bei Säuglingen eine erhebliche Krankheitslast, sondern wird auch bei Erwachsenen zunehmend als relevantes Gesundheitsproblem erkannt. Verfügbare Impfungen und passive Immunisierungen eröffnen Möglichkeiten der Prävention in verschiedenen Altersgruppen.

Mit dem Herbst beginnt in Österreich traditionell die RSV-Saison, die üblicherweise von November bis April andauert. Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) gilt weltweit als häufigste Ursache schwerer Atemwegserkrankungen bei Säuglingen und Kleinkindern, kann jedoch auch bei älteren Erwachsenen und Personen mit Grunderkrankungen schwere Verläufe verursachen.

Bereits im ersten Lebensjahr infizieren sich etwa 60 bis 70 % aller Kinder mit RSV, bis zum zweiten Geburtstag haben nahezu alle Kinder zumindest eine RSV-Infektion durchgemacht. In Österreich mussten in der Saison 2023/24, noch vor Einführung flächendeckender Schutzmaßnahmen für Säuglinge, mehr als 3.000 Kinder unter vier Jahren aufgrund einer RSV-Infektion hospitalisiert werden. Auch aktuell zeigt sich die hohe Krankheitslast: In den Jahren 2025 und 2026 (Stand Juli 2026) wurden österreichweit mehr als 2.400 Kinder im Alter von 0 bis 4 Jahren wegen RSV stationär behandelt.

Zu Beginn ähnelt eine RSV-Infektion meist einem unkomplizierten Infekt der oberen Atemwege mit Rhinorrhö, Husten und gelegentlichem Fieber. Da Atemwege und Immunsystem in den ersten Lebensmonaten noch nicht vollständig ausgereift sind, kann sich die Infektion rasch auf die unteren Atemwege ausbreiten und eine Bronchiolitis oder Pneumonie verursachen. Warnzeichen für einen schweren Verlauf sind insbesondere Tachypnoe, erhöhte Atemarbeit mit thorakalen Einziehungen sowie Trinkschwäche. In diesen Fällen kann eine stationäre Behandlung erforderlich werden.

Seit Herbst 2024 steht in Österreich die maternale RSV-Impfung zur Verfügung. Dabei erhält die Schwangere im letzten Schwangerschaftsdrittel eine einmalige Impfung, um über die Plazenta schützende Antikörper auf das ungeborene Kind zu übertragen. Empfohlen wird die Impfung bei einem erwarteten Geburtstermin zwischen Oktober und März. Das Prinzip ähnelt anderen maternalen Impfstrategien. Die Impfung induziert die Bildung RSV-spezifischer Antikörper bei der Mutter, die anschließend diaplazentar auf den Fetus übergehen. Dadurch kommt das Neugeborene bereits mit einem gewissen Schutz gegen RSV zur Welt. Hinweise deuten außerdem darauf hin, dass RSV-spezifische Antikörper auch über die Muttermilch übertragen werden können. Der wesentliche Vorteil dieser Strategie besteht darin, dass der Schutz bereits unmittelbar nach der Geburt vorhanden ist. Das ist insbesondere relevant, da Neugeborene häufig über ältere Geschwister oder andere enge Kontaktpersonen exponiert werden.

Die Wirksamkeit der maternalen RSV-Impfung konnte sowohl in Zulassungsstudien als auch unter Alltagsbedingungen bestätigt werden. In einer US-amerikanischen Real-World-Studie reduzierte die Impfung RSV-assoziierte Hospitalisierungen beziehungsweise Hospitalisierungen aufgrund akuter Atemwegsinfektionen bei Säuglingen im Alter von 0 bis 90 Lebenstagen um rund 70 %.

Zusätzlich beziehungsweise in bestimmten Situationen alternativ zur maternalen Impfung steht für Säuglinge eine passive Immunisierung mit einem monoklonalen Antikörper zur Verfügung. Diese ist Teil des kostenfreien österreichischen Kinderimpfprogramms. Gemäß Impfplan Österreich 2025/26 wird sie allen Neugeborenen und Säuglingen in ihrer ersten RSV-Saison empfohlen. Kinder, die zwischen Oktober und März geboren werden, sollen möglichst noch vor der Entlassung aus dem Krankenhaus immunisiert werden. Bei Geburten zwischen April und September erfolgt die Verabreichung idealerweise vor Beginn der nächsten RSV-Saison bei der Kinderärzt:in.

Während RSV bei Kindern zunehmend Aufmerksamkeit erhält, wird die Erkrankung bei Erwachsenen häufig nicht als eigenständige Krankheitsursache wahrgenommen. Fachpublikationen gehen davon aus, dass die Krankheitslast bei Erwachsenen aufgrund begrenzter Testung und unvollständiger Surveillance unterschätzt wird. Auch die ÖVIH-Marktforschung zeigt hier deutlichen Aufklärungsbedarf. Nur 13 % der Befragten schätzen ihr persönliches Risiko, ab dem 60. Lebensjahr schwer an RSV zu erkranken, als eher hoch oder hoch ein. Nach Berechnungen des IPF erkranken in Österreich jährlich aber etwa 3,2 % der Bevölkerung an einer RSV-bedingten akuten Atemwegsinfektion. Pro Jahr werden rund 3.301 Personen hospitalisiert und 76 Todesfälle auf RSV zurückgeführt.

Für Erwachsene stehen inzwischen wirksame Impfstoffe zur Prävention schwerer RSV-Erkrankungen der unteren Atemwege zur Verfügung. Laut Impfplan Österreich 2025/26 wird die Impfung allen Personen ab 60 Jahren sowie Personen ab 18 Jahren mit erhöhtem Risiko empfohlen, beispielsweise bei chronischen Herz-, Lungen- oder Nierenerkrankungen, Diabetes mellitus oder Immunsuppression. Im Unterschied zur passiven Immunisierung von Säuglingen ist die RSV-Impfung für Erwachsene derzeit nicht Teil des kostenfreien öffentlichen Impfprogramms.

Gleichzeitig zeigt die vom ÖVIH beauftragte Befragung einen hohen Stellenwert ärztlicher Empfehlungen. 54 % der Befragten würden sich wahrscheinlich impfen lassen, wenn ihre Ärzt:in dies empfiehlt. Für 53 % stellt die ärztliche Empfehlung sogar den ausschlaggebenden Faktor für eine Impfentscheidung dar. Hausärzt:innen kommt daher eine zentrale Rolle bei der Aufklärung über das individuelle Risiko und die verfügbaren Präventionsmöglichkeiten zu.