Hausärzt:in 10/2026
Ärzt:in Assistenz 2026

Schnellere Entscheidungen bei akutem Brustschmerz

Neue Daten sprechen für eine schnellere Troponin-Diagnostik bei Verdacht auf Myokardinfarkt, ohne Kompromisse bei der Sicherheit.

Die rasche und sichere Abklärung akuter Brustschmerzen zählt zu den zentralen Herausforderungen. Ziel ist die zuverlässige Differenzierung zwischen akut lebensbedrohlichen Ursachen, insbesondere dem akuten Myokardinfarkt, und anderen, weniger kritischen Ursachen. Dabei spielen serielle Messungen hochsensitiver kardialer Troponine eine Schlüsselrolle.

Ein internationales Forschungskonsortium unter Beteiligung der Universitätsklinik für Notfallmedizin der MedUni Wien konnte nun in einer großen randomisiert-kontrollierten Studie mit mehr als 67.000 Patient:innen aus 19 Krankenhäusern in zehn Ländern zeigen, dass ein 0/1-Stunden-Troponin-Algorithmus hinsichtlich der Patientensicherheit dem etablierten 0/3-Stunden-Ansatz nicht unterlegen ist. Die Ergebnisse wurden durch eine Metaanalyse individueller Patient:innendaten von über 110.000 Personen bestätigt. 

Akuter Brustschmerz gehört zu den häufigsten Vorstellungsgründen in Notfallabteilungen. Während in der Mehrzahl der Fälle keine akut gefährliche Ursache vorliegt, wird bei etwa 5 % der Patient:innen ein akutes Koronarsyndrom beziehungsweise ein Myokardinfarkt diagnostiziert. Die frühzeitige Risikostratifizierung ist daher essenziell, um eine zeitgerechte Therapieeinleitung zu ermöglichen oder eine sichere Entlassung zu ermöglichen.

In der internationalen, pragmatischen PRESC1SE-MI-Studie wurden 67.624 Patient:innen mit akutem, nicht traumatischem Brustschmerz und Verdacht auf Myokardinfarkt untersucht. Verglichen wurde ein 0/1-Stunden- mit dem etablierten 0/3-Stunden-Protokoll. Der kombinierte Endpunkt aus Gesamtmortalität oder erneutem Typ-1-Myokardinfarkt innerhalb von 30 Tagen trat bei 1,1 % der Patient:innen im 0/1-Stunden-Arm und bei 1,2 % im 0/3-Stunden-Arm auf. Damit erfüllte der verkürzte Diagnosepfad das Kriterium für Nicht-Unterlegenheit.

Eine Verkürzung der Aufenthaltsdauer in der Notfallabteilung konnte jedoch nicht gezeigt werden. Die mediane Verweildauer lag in beiden Gruppen bei rund fünf Stunden. Eine ergänzende Metaanalyse mit Daten von mehr als 110.000 Patient:innen aus 46 Krankenhäusern bestätigte die Sicherheit des Verfahrens und zeigte zugleich, dass organisatorische Faktoren maßgeblich die Zeit bis zur Entlassung beeinflussen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass neben einer evidenzbasierten Diagnostik auch effiziente Abläufe und standardisierte klinische Prozesse entscheidend für eine rasche Versorgung sind.