Schilddrüsenknoten sind ein häufiger Befund und in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle benigne. Dennoch führen sie in der Praxis häufig zu weiterführender Diagnostik, die mit erheblichem Zeit-, Kosten- und Ressourcenaufwand verbunden ist. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der detektierten asymptomatischen Schilddrüsenknoten gestiegen. Dabei handelt es sich meist um Zufallsbefunde im Rahmen routinemäßiger und zunehmend sensitiver Ultraschalluntersuchungen.
Die Leitlinie zielt darauf ab, im hausärztlichen Alltag eine klare Orientierung zu geben und zwischen indizierter und nicht indizierter Diagnostik zu differenzieren. Gleichzeitig soll sie dazu beitragen, Schilddrüsenknoten als häufiges und meist klinisch unbedeutendes Phänomen einzuordnen. Es wird ausdrücklich betont, dass nicht jede technisch mögliche Untersuchung auch medizinisch sinnvoll ist. Insbesondere wird von anlasslosen Ultraschalluntersuchungen abgeraten, da nur selten therapiebedürftige Befunde identifiziert werden, während häufig weitere, potenziell belastende Folgeuntersuchungen und -therapien resultieren.
Bei Nachweis eines Schilddrüsenknotens beschreibt die Leitlinie evidenzbasiert das empfohlene diagnostische und therapeutische Vorgehen und unterstützt Hausärzt:innen bei der Festlegung des weiteren Managements. Zudem werden in der Leitlinie auch alle Red Flags (Warnanzeichen) vorgestellt: Bei Beschwerden wie Luftnot, Heiserkeit, Drücken im Hals braucht es weiterführende Diagnostik.
Therapeutisch gilt, dass in den meisten Fällen keine Intervention erforderlich ist. Eine Behandlung – operativ oder nuklearmedizinisch – ist nur bei symptomatischen oder malignitätsverdächtigen Knoten indiziert.
Prof. Jeannine Schübel, federführende Autorin der Leitlinie erklärt: "Um es kurz zu machen: Folgeschäden sind sehr viel häufiger als das Aufdecken eines gefährlichen Knotens. Um dieses Spannungsfeld in der Kommunikation gut darzustellen, gibt die Leitlinie Ärzt:innen entsprechende Argumente an die Hand".