Die Tuberkulose bleibt trotz grundsätzlicher Heilbarkeit die weltweit tödlichste bakterielle Infektionskrankheit. Laut WHO Global TB Report 2025 ist erstmals seit 2020 ein leichter Rückgang der Inzidenz zu verzeichnen. Dennoch bleibt die globale Krankheitslast hoch.
Auch in Österreich treten weiterhin Fälle auf: Im Jahr 2024 wurden 387 Neuerkrankungen gemeldet. Vor diesem Hintergrund ist eine kontinuierliche Surveillance sowie konsequente Umsetzung präventiver und therapeutischer Maßnahmen essenziell.
Der Großteil der TB-Fälle konzentriert sich auf etwa 30 Hochrisikoländer, insbesondere in Südasien, Südostasien und Afrika (u. a. Indien, Indonesien, China, Philippinen, Pakistan, Demokratische Republik Kongo, Nigeria, Bangladesch).
In der Öffentlichkeit manchmal verbreitete TB-Ängste bezüglich des Zuzugs von Menschen nach Österreich sind unbegründet. Laut Angaben von Expert:innen der AGES werden rund 83 % der Asylsuchenden innerhalb der ersten zwei Jahre auf Tuberkulose untersucht. Diese systematische Testung stellt eine wesentliche Grundlage für eine frühzeitige Diagnosestellung und gegebenenfalls rasche Therapieeinleitung dar. Zudem ist die Übertragbarkeit der Tuberkulose deutlich geringer als bei z.B. viraler Erkrankungen wie Masern. Zu Infektionen kommt es vor allem im engen Zusammenleben, bei mehrstündigem Kontakt in geschlossenen Räumen, in Massenunterkünften und ähnlichen Einrichtungen.
Ein erheblicher Anteil der Neuerkrankungen ist auf fünf bekannte und beeinflussbare Risikofaktoren zurückzufahren: Unterernährung, Diabetes, Alkoholmissbrauch, Rauchen und HIV-Infektionen. Schätzungsweise ein Viertel der Weltbevölkerung ist latent mit Mycobacterium tuberculosis infiziert. Eine Progression zur aktiven Erkrankung erfolgt vor allem bei Immunsuppression oder ungünstigen sozioökonomischen Bedingungen.
Zunehmend problematisch ist die Verbreitung medikamentenresistenter Formen. Im Jahr 2024 entwickelten laut WHO rund 390.000 Personen eine Rifampicin-resistente bzw. multiresistente TB (RR/MDR-TB), mit etwa 150.000 Todesfällen. Etwa 23 % der Fälle in Europa sind RR-TB, damit tritt dies siebenmal häufiger auf als im weltweiten Durchschnitt.
Diese Formen stellen eine erhebliche therapeutische Herausforderung dar, da längere und toxischere Therapieschemata erforderlich sind, Behandlungserfolge deutlich reduziert sind und in Einzelfällen keine effektiven Therapieoptionen mehr zur Verfügung stehen. Besonders hohe Fallzahlen von MDR/RR-TB werden aus Indien, China, den Philippinen und der Russischen Föderation berichtet. Univ.-Prof. Dr. Meinhard Kneussl, Präsident des Österreichischen Tuberkulose Vereins, betont in diesem Zusammenhang die entscheidende Bedeutung einer konsequenten Ersttherapie zur Vermeidung von Resistenzentwicklungen.
Früherkennung ist entscheidend für eine TB-Behandlung. Typische Leitsymptome umfassen anhaltenden Husten, Nachtschweiß, unerklärlichen Gewichtsverlust und Fieber. Bei entsprechender Symptomatik ist eine umgehende diagnostische Abklärung indiziert (inkl. mikrobiologischer und radiologischer Diagnostik).
Tuberkulose ist in Österreich eine meldepflichtige Erkrankung. Eine rasche Meldung sowie Kontaktpersonennachverfolgung sind zentrale Elemente der Infektionskontrolle. Die WHO schätzt jedoch, dass jede fünfte Erkrankung in Europa nicht gemeldet wird. 2024 wurden in Europa knapp 162.000 Fälle gemeldet, tatsächlich sei von etwa 204.000 auszugehen.
Der Tuberkulose-Gedenktag fällt auf den 24. März, weil das Bakterium an jenem Tag im Jahr 1882 vom Mikrobiologen Robert Koch entdeckt wurde.