Hausärzt:in 03/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Versorgungslücke: Körperliche Gesundheit bei psychisch Kranken

Psychisch Kranke werden meist gesundheitlich schlechter versorgt als die Allgemeinbevölkerung. Daher haben sie auch eine deutlich geringere Lebenserwartung. Deshalb fordert ein internationales Expert:innenteam mit österreichischer Beteiligung ein entschlossenes Handeln.

In Österreich erkrankt jährlich etwa ein Viertel der 18- bis 65-Jährigen an einer psychischen Störung. Zu den häufigsten Krankheitsbildern zählen Angststörungen und Depressionen (Punktprävalenz ca. 6,5 %). Darüber hinaus treten bipolare Störungen, Schizophrenien (ca. 1 %) sowie Suchterkrankungen auf, die häufig einen chronischen Verlauf nehmen.

Ein zentrales Problem stellt neben der psychiatrischen Versorgung die somatische Gesundheit dieser Patientengruppe dar. Personen mit schweren psychischen Erkrankungen (Severe Mental Illness, SMI) weisen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung eine signifikant reduzierte Lebenserwartung auf, die typischerweise um 10–20 Jahre verkürzt ist. Obwohl Suizide und andere nicht-natürliche Todesursachen zur Mortalität beitragen, sind etwa 70 % der Todesfälle auf natürliche Ursachen zurückzuführen. Dabei dominieren kardiovaskuläre und respiratorische Erkrankungen sowie onkologische Erkrankungen und Multimorbidität.

Diese erhöhte Mortalität ist unter anderem auf eine geringere Versorgungsqualität, schlechtere Behandlungsergebnisse sowie strukturelle Defizite im Gesundheitssystem zurückzuführen. Insbesondere fragmentierte Versorgungsstrukturen, unzureichende Implementierung präventiver Maßnahmen und systemische Ungleichheiten tragen zur Unterversorgung bei.

Im Gegensatz zur allgemeinen Bevölkerungsentwicklung konnten Patient:innen mit SMI bislang nicht im gleichen Ausmaß von Fortschritten in der medizinischen Versorgung und steigender Lebenserwartung profitieren.

Vor diesem Hintergrund ist eine konsequente Integration der somatischen Versorgung in psychiatrische Behandlungskonzepte essenziell. Zentrale Maßnahmen umfassen:

  • Systematische Erfassung und Behandlung kardiovaskulärer Risikofaktoren (insbesondere Rauchen, Adipositas, arterielle Hypertonie, Dyslipidämie)
  • Regelmäßiges Monitoring von Blutdruck sowie Screening auf metabolische Störungen (Prädiabetes, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen)
  • Förderung der Therapieadhärenz einschließlich medikamentöser Behandlung
  • Stärkung präventiver Maßnahmen und gesundheitsbezogener Aufklärung

Darüber hinaus ist eine Überwindung der sektoriellen Fragmentierung erforderlich. Empfohlen wird die Etablierung interdisziplinärer Versorgungsmodelle im Sinne "therapeutischer Allianzen" zwischen Psychiatrie und somatischer Medizin.

Zur Verbesserung der Versorgungskontinuität sollten ergänzend strukturierende Maßnahmen wie Patientenlotsensysteme sowie koordinierende Pflegeansätze implementiert werden.