Hausärzt:in 04/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

EHDS: Europas Gesundheitsdaten im Wandel

Mit dem Europäischen Gesundheitsdatenraum (EHDS) entsteht derzeit eine Plattform, die die Gesundheitsversorgung jedes einzelnen EU-Bürgers betreffen wird und verbessern soll. Aus Expert:innensicht ist ein Faktor entscheidend für die Akzeptanz: Der praktische Nutzen muss erkennbar sein.

Der EHDS ist am 26. März 2025 in Kraft getreten. Bis März 2027 werden die technischen und organisatorischen Durchführungsbestimmungen festgelegt. Ab März 2029 beginnt die EU-weite Umsetzung zentraler Anwendungen wie Patient:innenkurzakten sowie elektronische Rezepte und deren grenzüberschreitender Austausch, zugleich wird die Sekundärnutzung ausgewählter Gesundheitsdaten für Forschung und Innovation ermöglicht. Ab März 2031 werden zusätzlich komplexere Daten wie medizinische Bildgebung, Laborbefunde und Entlassungsberichte EU-weit integriert.

Einerseits gibt es Patient:innen, die bereits auf den Austausch ihrer Daten zwischen Krankenhausabteilungen, ihren niedergelassenen Ärzt:innen und Institutionen warten und es dringend benötigen. Andererseits gibt es eine Gruppe, die Datensicherheit hört und direkt mit Ablehnung reagiert. 

In der Praxis fehlt oft noch die Vernetzung zwischen Spitälern und niedergelassenen Ärzt:innen, sodass Behandlungsinformationen nicht durchgängig verfügbar sind. Das System kann aber nur funktionieren, wenn alle EU-Mitgliedstaaten die digitale Integration sowie den Austausch und die Nutzbarkeit von Gesundheitsdaten vollständig umsetzen – eine enorme Herausforderung. 

Mit zunehmender Mobilität innerhalb der EU – etwa durch Arbeitsmigration und Tourismus – gewinnt der EHDS weiter an Bedeutung. Mobile Bürger:innen benötigen einen sicheren und schnellen Zugriff auf ihre Gesundheitsdaten, um überall eine optimale Versorgung zu gewährleisten.

Aus Expertensicht befindet sich die Entwicklung jedoch noch am Anfang. Erst mit konsequenter Digitalisierung und Vernetzung können papierbasierte oder fragmentierte Informationssysteme abgelöst werden. Ziel ist ein durchgängiger, jederzeit verfügbarer Zugang zu relevanten Gesundheitsinformationen zur Verbesserung der medizinischen Versorgung in ganz Europa.

Das eröffnet zusätzlich eine neue Dimension der medizinischen Forschung, in der erstmals umfangreich mit Real-World-Daten gearbeitet werden kann. Während klinische Studien bislang unter streng kontrollierten Bedingungen mit ausgewählten Patient:innengruppen durchgeführt werden, spiegeln sie die Versorgungsrealität in der Praxis nur begrenzt wider.

Hier setzen anonymisierte Routinedaten aus der Versorgung an. Sie ermöglichen die sogenannte Sekundärdatennutzung: Informationen, die im klinischen Alltag ohnehin entstehen, werden für Forschungszwecke nutzbar gemacht. Dazu zählen etwa Diagnosen, Therapieverläufe, Nebenwirkungen und Nachsorge, die zusammen ein umfassenderes Bild des Krankheitsverlaufs ergeben. So lassen sich neue Fragestellungen etwa zu Therapiesequenzen, Resistenzentwicklungen oder Prognosemarkern im realen Versorgungsgeschehen untersuchen. In der Onkologie wird dieser Ansatz bereits in Forschungsprojekten erprobt, etwa durch die Entwicklung landesweiter Dokumentations- und Expertensysteme.