Eine kürzlich publizierte schwedische Kohortenstudie verknüpft für 14 .979 in Schweden lebende Erwachsene tiefgehende fäkale Metagenomdaten mit dem Nationalen Arzneiverordnungsregister, wodurch jede über die letzten acht Jahre in Apotheken abgegebene Antibiotikatherapie einzelnen Studienteilnehmenden zugeordnet werden konnte.
In multivariaten Regressionsmodellen adjustiert unter anderem für demografische Variablen, Tabakkonsum, BMI, Komorbidität, Polypharmazie sowie für Medikationsklassen mit bekannter Wirkung auf das Mikrobiom (z. B. Protonenpumpenhemmer, Metformin, SSRIs, Statine, Betablocker, Antipsychotika), wurden Assoziationen zwischen früherer oraler Antibiotika‑Einnahme und Eigenschaften des Darmmikrobioms untersucht.
Die Ergebnisse zeigen:
- Eine reduzierte mikrobiellen Diversität und Veränderungen in der relativen Abundanz zahlreicher Spezies standen in signifikanter Assoziation zur Antibiotikaexposition.
- Die stärksten Assoziationen fanden sich bei Clindamycin, Fluorchinolonen und Flucloxacillin, selbst eine einmalige Anwendung dieser Wirkstoffe 4–8 Jahre vor Stuhlentnahme war mit Abundanzabweichungen bei etwa 10–15 % der untersuchten Spezies verknüpft.
- Penicilline mit erweitertem Wirkungsspektrum und Nitrofurantoin zeigten dagegen nur wenige Assoziationen.
- Der Einfluss auf die Diversität war am größten, wenn die letzte Behandlung weniger als ein Jahr zurücklag, blieb jedoch auch in den Zeiträumen 1–4 und 4–8 Jahre statistisch signifikant.
- Es bestand ein dosis‑/zyklusabhängiger Effekt, wobei mit jedem weiteren Antibiotikazykus die Diversität weiter sank.
In exploratorischen Analysen zeigte sich, dass bestimmte Spezies, die nach Antibiotikatherapien mit Clindamycin, Fluorchinolonen oder Flucloxacillin langfristig vermehrt auftraten, mit höherem BMI, Taille-Hüft-Verhältnis, Serum-Triglyzeriden und CRP korrelierten. Dazu zählen Sellimonas intestinalis, Ruminococcus B gnavus, Enterocloster clostridioformis, Enterocloster aldenensis und Thomasclavelia ramosa. Im Gegensatz dazu waren Spezies, die durch Antibiotika dezimiert wurden, mit günstigeren Stoffwechselprofilen verbunden. Besonders die Taxa Enterocloster bolteae, Enterocloster citroniae, Flavonifractor plautii, Ruminococcus B gnavus und Eggerthella lenta wurden bereits in größeren Studien mit erhöhtem BMI, höheren Triglyzeridwerten und einem höheren Risiko für Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht.
Die Autorinnen und Autoren betonen, dass die beobachteten Zusammenhänge assoziativer Natur sind und nicht zwangsläufig Kausalität belegen, plädieren jedoch dafür, bei vergleichbar wirksamen Antibiotika stärker mikrobioma‑schonende Optionen zu berücksichtigen, um potenziell langfristige Einflüsse auf das Darmmikrobiom zu minimieren.