Hausärzt:in 7-8/2026
Ärzt:in Assistenz 2026

Nicht jede schmerzhafte Schulter braucht eine Bildgebung

Schulterschmerzen werden häufig durch altersbedingte Veränderungen überdiagnostiziert und übertherapiert. Ein aktuelles Review plädiert für mehr Zurückhaltung bei der Bildgebung und sieht chirurgische Eingriffe bei subakromialen Schmerzen meist nicht als sinnvoll an.

Rund 16 % der Erwachsenen leiden jährlich unter Schulterschmerzen. Mit einer Jahresinzidenz von 1 – 5 % zählen sie zu den häufigsten muskuloskelettalen Beschwerden in der hausärztlichen Versorgung. Ein aktuelles evidenzbasiertes Update in JAMA Internal Medicine fasst die Empfehlungen zur Diagnostik und Behandlung zusammen.

Die meisten Schulterschmerzen in der Primärversorgung sind nicht traumatisch bedingt und gehen von den periartikulären Weichteilen aus, insbesondere von der subakromialen Region. Typisch sind Schmerzen im oberen und seitlichen Schulterbereich, die sich beim Anheben des Arms oder beim Liegen auf der betroffenen Seite verstärken.

Entscheidend für die Diagnostik sind Anamnese und körperliche Untersuchung. Sie helfen, Schmerzmuster und Bewegungseinschränkungen zu beurteilen sowie schwerwiegende Ursachen wie Infektionen, maligne Neoplasien oder aus anderen Körperregionen projizierte Schmerzen auszuschließen. Eine frühe Bildgebung wird bei fehlendem Trauma oder Warnsignalen nicht empfohlen. Strukturelle Veränderungen korrelieren häufig nicht mit den Beschwerden, beeinflussen die Therapie selten und können Überdiagnostik sowie Übertherapie fördern. Ist eine Bildgebung erforderlich, sollte zunächst eine konventionelle Röntgenaufnahme erfolgen.

Eine fachärztliche Überweisung ist vor allem bei Verdacht auf Infektionen, maligne Neoplasien, Frakturen oder Luxationen sowie bei neurologischen Defiziten, systemisch-entzündlichen Erkrankungen oder anhaltender funktioneller Beeinträchtigung angezeigt.

Nach Ausschluss schwerwiegender Ursachen umfasst die Erstbehandlung in der Regel Aufklärung über den günstigen Verlauf, symptomlindernde Maßnahmen, gegebenenfalls eine Anpassung körperlicher Aktivitäten sowie ein abwartendes Vorgehen mit Verlaufskontrolle. Für die manuelle Therapie gibt es keine überzeugenden Hinweise auf einen relevanten Nutzen gegenüber Placebo. Auch die extrakorporale Stoßwellentherapie wird bei subakromialen Schulterschmerzen nicht empfohlen. Topische NSAR gelten als sinnvolle medikamentöse Option, Opioide hingegen nicht. Eine subakromiale Glukokortikoidinjektion kann bei moderaten bis starken Beschwerden kurzfristig für 4 – 8 Wochen Schmerzen lindern. Patient:innen mit subakromialen Schulterschmerzen profitieren nach Einschätzung der Autor:innen sehr wahrscheinlich nicht von einer chirurgischen Intervention.