Hausärzt:in 03/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Neue Therapieoption bei SCLC: Tarlatamab

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat empfohlen, Tarlatamab eine Zulassung in der EU zu erteilen. Das Arzneimittel kann zur Behandlung erwachsener Patient:innen mit kleinzelligem Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium (ES-SCLC) eingesetzt werden.

Das kleinzellige Lungenkarzinom (SCLC) ist eine seltene, schnell wachsende Krebsart mit einer Fünf-Jahres-Überlebensrate von nur 5-10 %. Obwohl viele Patient:innen zunächst von einer Behandlung mit platinbasierter Chemotherapie profitieren, kommt es häufig zu Rückfällen. Bisher sind die Behandlungsmöglichkeiten nach einem Rezidiv begrenzt und das Therapieansprechen schlecht. Daher besteht Bedarf an neuen Therapieoptionen.

Tarlatamab ist ein von Amgen entwickelter bispezifischer Antikörper, der als T-Zell-Engager wirkt. Er bindet an das Delta-like Ligand 3 (DLL3)-Protein auf Tumorzellen und an das CD3-Protein auf T-Zellen. Dadurch werden die T-Zellen aktiviert, was zur Freisetzung entzündlicher Zytokine und zytotoxischer Proteine führt und schließlich zur Lyse der Tumorzellen.

Die EMA stützte ihre Empfehlung auf die randomisierte, offene Phase-3-Studie, DeLLphi-304, in der Tarlatamab mit der Standardtherapie bei 509 Erwachsenen mit ES-SCLC geprüft wurde, deren Krebs nach einer Erstbehandlung mit platinbasierter Chemotherapie wieder aufgetreten war. Als Vergleichstherapie kamen Topotecan, Lurbinectedin oder Amrubicin zum Einsatz.

Die Studie zeigte eine signifikante Verbesserung des medianen Gesamtüberlebens auf 13,6 Monate bei Patient:innen, die mit Tarlatamab behandelt wurden, im Vergleich zu 8,3 Monaten unter Standardtherapie. Dies entspricht einer Reduktion des Sterberisikos um 40 % bei den mit Tarlatamab behandelten Teilnehmer:innen. Das mediane progressionsfreie Überleben betrug 4,2 Monate unter Tarlatamab gegenüber 3,2 Monaten unter Standardtherapie.

Das Sicherheitsprofil ist geprägt durch immunvermittelte Toxizitäten. Am häufigsten und klinisch relevant ist das Zytokinfreisetzungssyndrom (CRS). Zudem wurde das Auftreten eines ICANS (immune effector cell-associated neurotoxicity syndrome) beobachtet.