Hausärzt:in 03/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Chronische Wunden: Neuer Bericht der Stadt Wien

Im aktuellen Gesundheitsbericht der strategischen Gesundheitsversorgung der Stadt Wien erfolgt eine Bestandsaufnahme der Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden in Wien.

Chronische Wunden sind eine weit verbreitete, oft unterschätzte Erkrankung, die vor allem ältere, multimorbide Patient:innen betrifft und erhebliche physische, psychische sowie soziale Folgen hat. Dazu zählen Schmerzen, eingeschränkte Mobilität, Infektionsrisiko, soziale Isolation und eine deutliche Einschränkung der Lebensqualität. Häufige Ursachen sind Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus, periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) oder chronische Venenerkrankungen. In der Praxis bedeutet dies, dass Prävention und eine multikausale Therapie im Zentrum der Versorgung stehen müssen.

Epidemiologisch ist die Datenlage in Österreich begrenzt, jedoch zeigen Schätzungen, dass zehntausende Neuerkrankungen jährlich auftreten und insgesamt eine hohe Prävalenz besteht, die mit dem demografischen Wandel weiter zunimmt. Trotz Verlagerung der Versorgung in den ambulanten oder spitalsambulanten Bereich sind die Amputationszahlen, vor allem bei diabetischen und arteriellen Wunden, weiterhin hoch, mit 600 Amputationen pro Jahr in Wien. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer frühzeitigen Diagnostik und konsequenten Behandlung.

Für Ärzt:innen ist ein strukturiertes Vorgehen entscheidend. Die Diagnostik erfolgt idealerweise nach der ABCDE-Regel (Anamnese, Bakterien, klinische Untersuchung, Durchblutung, Extras). Die Therapie umfasst lokale Maßnahmen wie Débridement, Infektionskontrolle, und phasengerechte moderne Verbandsmaterialien. Zentral ist die kausale Behandlung der Grunderkrankung, z. B. Optimierung der Diabeteseinstellung, Revaskularisation bei pAVK oder Kompressionstherapie bei venösen Wunden. Schmerzmanagement, Infektionsprävention und Unterstützung der Mobilität sind integrale Bestandteile der Versorgung.

Die Behandlung erfolgt interdisziplinär und multiprofessionell, einschließlich Allgemeinmedizin, Fachärzt:innen, Pflege, mobilen Diensten und spezialisierten Wundzentren. In Wien vernetzt das "Wiener Wundnetz" spezialisierte Einrichtungen, Primärversorgungseinheiten und niedergelassene Ärzt:innen, um Versorgungsbrüche zu vermeiden und den Grundsatz "ambulant vor stationär" umzusetzen. Ziel ist eine standardisierte, koordinierte und patientenzentrierte Versorgung, die die Behandlungsqualität verbessert und Krankenhausaufenthalte reduziert.

Weitere Informationen finden Sie im Wundbericht.