HAUSÄRZT:IN: Angststörungen und Suchterkrankungen werden häufig getrennt betrachtet – doch wie eng sind beide Erkrankungen in Wahrheit miteinander verbunden?
Prim.a TADAYON-MANSSURI: Angststörungen und Suchterkrankungen treten häufig gemeinsam auf. In Populationen mit Angststörungen liegt die Prävalenz von Alkohol- oder Substanzgebrauchsstörungen zwischen ca. 16,5 % und 40 %. Am öftesten konsumiert werden Alkohol, Cannabis und Nikotin und besonders ausgeprägt sind Assoziationen bei Generalisierter Angststörung, Sozialer Phobie und Panikstörung. Angststörungen erhöhen das Risiko, Suchterkrankungen zu entwickeln, wenn Betroffene Substanzen zur Selbstmedikation einsetzen, um Angstsymptome zu lindern. Chronischer Substanzgebrauch sowie Entzug können Angstzustände auslösen oder verstärken. Genetische und Umweltfaktoren tragen zur Komorbidität bei und beeinflussen Diagnostik, Behandlung, Prognose und Rückfallrisiko. Daher ist eine integrierte, multimodale Vorgehensweise sinnvoll.
Wer ist heute besonders betroffen?
Epidemiologische Daten zeigen, dass eine Komorbidität von Angst- und Substanzgebrauchsstörungen besonders bei jungen Erwachsenen sowie Frauen und Personen mit niedrigem sozioökonomischem Status verbreitet ist. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen beträgt die Prävalenz von Angststörungen mit Substanzgebrauch bis zu 48 %. Frauen weisen ein erhöhtes Risiko auf, von einer komorbiden sozialen Angststörung und Alkoholgebrauchsstörung betroffen zu sein. Jugendliche neigen dazu, Substanzen impulsiv zu konsumieren, um akute negative Emotionen oder Angstzustände zu bewältigen. Das stellt einen zentralen Risikofaktor für die Entwicklung und Aufrechterhaltung beider Störungsbilder dar. Herausfordernd sind oft schwerere Verläufe, eine geringere Therapieadhärenz, ein erhöhtes Suizidalitätsrisiko sowie eine höhere Wahrscheinlichkeit, unter sozialen und schulischen Problemen zu leiden.