Patient:innen sollten frühzeitig – idealerweise einige Wochen vor der Reise – eine individuelle Beratung erhalten, je nach Reiseziel von einer Reisemediziner:in. Eine gründliche Anamnese sollte neben Vorerkrankungen, Dauermedikation und Allergien auch den Impfstatus erfassen. Diese Informationen müssen mit der Reisedestination, der Reisezeit und den geplanten Aktivitäten abgeglichen werden. So unterscheiden sich beispielsweise die Risiken für einen Backpacker im Hinterland erheblich von denen eines Pauschalreisenden am Strand.
Besondere Vorsicht ist geboten bei Patient:innen, die Immunsuppressiva oder Medikamente wie Rheumamedikamente erhalten, da diese häufig keine Lebendimpfstoffe erhalten dürfen und alternative Schutzmaßnahmen benötigen.
Reisemedizinische Zentren liefern aktuelle Informationen über Ausbrüche bestimmter Erreger. Ein anschauliches Beispiel sind die mückenübertragenen Viren Dengue und Chikungunya. Die asiatische Tigermücke, Vektor dieser Erkrankungen, ist mittlerweile auch in Europa nachgewiesen. Weltweit wurden seit 2024 stark steigende Fallzahlen beobachtet. Für Südamerika meldete die Pan American Health Organization allein in diesem Jahr bereits über 422.000 vermutete und 87.000 bestätigte Dengue-Fälle mit 60 Todesfällen. Typisch ist die Dengue-Trias: Fieber, Ausschlag sowie Kopf-, Muskel-, Gelenkschmerzen. Schwere Verläufe mit inneren Blutungen sind selten, aber möglich.
Chikungunya breitet sich ebenfalls aus. 2026 wurden in Südamerika bereits rund 47.000 Fälle vermutet, ein Teil bestätigt. Auch Indien meldet hohe Fallzahlen, und in Europa gab es 2025 bereits 788 Fälle in Frankreich und 384 in Italien. Neue Studien zeigen, dass der Virusübertrag auch bei niedrigeren Temperaturen möglich ist, sodass die Fallzahlen in Europa steigen könnten. Betroffene leiden oft an langanhaltenden Gelenkbeschwerden.
Weitere relevante Infektionen, die Patient:innen selten auf dem Radar haben, sind etwa die Japanische Enzephalitis, die trotz ihres Namens sogar in Australien vorkommen kann.
Nicht nur Ausbrüche sind relevant: Für bestimmte Reisen bestehen Impfpflichten. Die Teilnahme an der Pilgerreise nach Mekka (Hadsch) erfordert beispielsweise eine Impfung gegen Meningokokken ACWY. Wer über ein Gelbfieber-Endemiegebiet reist, benötigt zusätzlich den Nachweis einer Gelbfieberimpfung.
Die meisten denken an die klassischen Reiserisiken, wie Dengue, Chikungunya, Malaria, und stellen daher Fragen zur Malariaprophylaxe, Schutzmaßnahmen gegen Mücken, Tollwut-Auffrischungen und ähnlichem.
Genauso wichtig ist aber, dass zusätzlich alle Impfungen nach dem österreichischen Impfplan überprüft werden. Viele Erwachsene haben Auffrischungen, etwa Diphtherie/Tetanus/Keuchhusten oder Polio, versäumt, da die Intervalle sich geändert haben (heute meist alle fünf Jahre). FSME sollte ebenfalls aktuell gehalten werden, da sie nicht nur in Österreich, sondern in weiteren Ländern auftreten kann.