Hausärzt:in 10/2026
Ärzt:in Assistenz 2026

Neue S3-Leitlinie präzisiert Einsatz von Opioiden bei chronischen Schmerzen

Die aktualisierte S3-Leitlinie konkretisiert den Stellenwert von Opioiden bei chronischen nicht tumorbedingten Schmerzen. Im Fokus stehen eine strenge Indikationsstellung, regelmäßige Nutzen-Risiko-Prüfungen und die Einbettung in ein multimodales Therapiekonzept.

Die vierte Version der Leitlinie wurde auf dem Deutschen Schmerzkongress in Mannheim vorgestellt. An der Überarbeitung waren 36 Fachgesellschaften, Verbände und Patientenorganisationen beteiligt. Die Veröffentlichung ist nach Abschluss der finalen Abstimmungen für Anfang kommenden Jahres vorgesehen.

Nach Einschätzung der Leitlinienautor:innen profitieren nur vergleichsweise wenige Patient:innen langfristig von einer Opioidtherapie. Opioide seien bei chronischen Schmerzen deutlich weniger wirksam als bei akuten Schmerzen oder Tumorschmerzen. Eine dauerhafte Therapie sollte daher nur dann fortgeführt werden, wenn die definierten Therapieziele erreicht werden und der Nutzen die Risiken weiterhin überwiegt.

Die Leitlinie empfiehlt, Opioide erst nach Ausschöpfung beziehungsweise Optimierung nicht medikamentöser Maßnahmen sowie alternativer medikamentöser Therapien einzusetzen. Über die initiale etwa dreimonatige Behandlungsphase hinaus sollte eine Fortsetzung nur erfolgen, wenn ein stabiler Therapieerfolg bei akzeptabler Verträglichkeit nachweisbar ist. Begleitende nicht medikamentöse Behandlungsmaßnahmen sollen fortgeführt werden.

Ein Absetzen wird empfohlen, wenn der therapeutische Nutzen nachlässt, relevante Nebenwirkungen auftreten oder Hinweise auf Fehlgebrauch beziehungsweise die Entwicklung einer Abhängigkeit bestehen. Die Empfehlungen stützen sich auf eine aktualisierte Evidenzbewertung, wobei die Datenlage überwiegend von geringer bis moderater Qualität war.

Zudem definiert die Leitlinie klare Nichtindikationen. Dazu zählen primäre Kopfschmerzerkrankungen, funktionelle Störungen und das Fibromyalgiesyndrom. Bei Arthroseschmerzen wird der Einsatz aufgrund der begrenzten Evidenz nur in Einzelfällen empfohlen. Bei Rückenschmerzen und neuropathischen Schmerzen können Opioide als Therapieoption erwogen werden, jedoch ebenfalls nur nach sorgfältiger Indikationsprüfung.

Die Deutsche Schmerzgesellschaft betont darüber hinaus die Bedeutung einer langfristigen ärztlichen Begleitung, einer umfassenden Aufklärung über Nutzen und Risiken sowie einer partizipativen Entscheidungsfindung. Für die Umsetzung der Leitlinienempfehlungen sei eine interdisziplinäre, am biopsychosozialen Modell orientierte Schmerzversorgung essenziell.