Hausärzt:in 01/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Frauenherzgesundheit im Defizit

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache bei Frauen in Österreich. Dennoch werden Risiken, Symptome und Krankheitsverläufe bei Frauen noch immer unterschätzt. 

Ein Großteil der Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen wäre vermeidbar. Denn fünf veränderbare Risikofaktoren – Übergewicht, erhöhte Cholesterinwerte, Diabetes, Bluthochdruck und Rauchen – sind für mehr als die Hälfte der Erkrankungen verantwortlich. Besonders relevant ist dabei, dass Diabetes und Adipositas das kardiovaskuläre Risiko bei Frauen stärker erhöhen als bei Männern. Als stärkster einzelner Risikofaktor gilt Bluthochdruck, damit steigt das Risiko bei Frauen um etwa 30 %. 

Obwohl diese Faktoren seit Jahrzehnten bekannt sind, werden sie bei Frauen seltener systematisch erfasst, kontrolliert und behandelt. Vorsorgeangebote werden weniger genutzt, und geschlechterspezifische Risiken finden in Leitlinien und Versorgungspfaden nur begrenzt Berücksichtigung. Dabei zeigen Studien, dass Frauen überdurchschnittlich von einem günstigen Risikoprofil profitieren. Denn Frauen ohne Risikofaktoren leben im Mittel 14,5 Jahre länger als Frauen mit allen fünf Risikofaktoren. Auch die kardiovaskulär krankheitsfreie Lebenszeit war deutlich verlängert.

Frauen durchlaufen Lebensphasen mit spezifischen kardiovaskulären Risiken. Zyklusstörungen oder unerfüllter Kinderwunsch können bereits in jungen Jahren Hinweise auf ein erhöhtes Risiko sein. Schwangerschaftskomplikationen wie Präeklampsie, Schwangerschaftsbluthochdruck oder Schwangerschaftsdiabetes gelten als frühe Marker für ein lebenslang erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko und erfordern eine gezielte Nachsorge. Auch eine frühe Menopause stellt einen bedeutenden Risikofaktor dar.

Dazu kommt, dass Frauen bei akuten koronaren Ereignissen häufiger unspezifische Symptome zeigen. Frauen klagen über ungewöhnliche Müdigkeit, Atemnot, Übelkeit oder Erbrechen, Druck im Rücken, Nacken oder Oberbauch, Schwindel oder kalten Schweiß. Diese Symptome werden seltener als kardiale Warnzeichen erkannt. In der Notfallversorgung führt dies zu Verzögerungen und schlechteren Behandlungsergebnissen.

Außerdem sind Frauen in klinischen Studien nach wie vor unterrepräsentiert und erleben häufiger Fehldiagnosen. Ein weiterer zentraler Aspekt ist der enge Zusammenhang zwischen psychischer Gesundheit und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen. Stress, Depressionen und Angststörungen beeinflussen das kardiovaskuläre Risiko messbar. Studien zeigen, dass Frauen auf chronischen Stress mit stärkeren Entzündungsreaktionen und Veränderungen der Gefäßfunktion reagieren. Psychosoziale Interventionen und Stressreduktion im Rahmen einer multifaktoriellen Risikoreduktion können das Sterberisiko bei herzkranken Frauen deutlich senken.

Die Initiative #GoRed möchte diese Lücke zwischen Evidenz und Versorgung sichtbar machen, mit etwa einem Aktionstag am 6. Februar 2026.