Hausärzt:in 10/2026
Ärzt:in Assistenz 2026

Stürze im hohen Alter: Welche Risikofaktoren wirklich zählen

Stürze im hohen Alter sind meist multifaktoriell bedingt. Daten der Studie Gesundheit 65+ weisen auf eine hohe Sturzbelastung bei Menschen ab 80 Jahren hin und unterstreichen die Bedeutung von Medikationsanalysen, Sehkontrollen sowie der Behandlung von Inkontinenz und Depressionen.

Stürze gehören bei hochaltrigen Menschen zu den häufigsten Gesundheitsrisiken. Daten der Längsschnittstudie Gesundheit 65+ zeigen, dass innerhalb eines Jahres nahezu jede zweite Person ab 80 Jahren (46,7 %) mindestens einmal stürzt. Bereits zu Studienbeginn berichteten 38,1 % der Teilnehmer:innen über einen Sturz in den vorangegangenen zwölf Monaten, knapp ein Viertel (24,2 %) hatte sogar zwei oder mehr Stürze erlitten. Ein Jahr später lag der Anteil der Personen mit mindestens einem Sturz bei 46,7 %, während 33,6 % von wiederholten Stürzen berichteten.

Neben altersbedingten funktionellen Einschränkungen rückt auch die Arzneimitteltherapie als möglicher Risikofaktor in den Fokus. Für die Medikamentenanalyse standen Daten von 742 Teilnehmer:innen zur Verfügung. Fast die Hälfte der Hochaltrigen (48,7 %) nahm dauerhaft fünf oder mehr Medikamente ein und damit im Sinne der Studie polypharmazeutisch behandelt. Zudem erhielten 59,2 % mindestens ein sogenanntes sturzbegünstigendes Medikament (Fall-Risk-Increasing Drug, FRID).

Zu den häufigsten verordneten FRIDs zählten Diuretika (37,9 %), gefolgt von Opioiden (11,9 %), Alphablockern (9,0 %), Antidepressiva (8,8 %), Antiepileptika (8,1 %) und Vasodilatatoren (5,3 %). Diese Wirkstoffgruppen können unter anderem Schwindel, Sedierung, orthostatische Hypotonie oder Aufmerksamkeitsstörungen begünstigen und damit das Sturzrisiko erhöhen.

In der Analyse war die Einnahme von FRIDs mit einer nahezu verdoppelten Sturzwahrscheinlichkeit assoziiert (OR 1,93). Ebenfalls mit einem erhöhten Risiko verbunden waren Adipositas, depressive Symptomatik, Multimorbidität, Sehbeeinträchtigungen, Harninkontinenz und Gedächtnisprobleme. Nach Adjustierung für weitere Einflussfaktoren verloren jedoch sowohl FRIDs als auch Polypharmazie ihre statistische Signifikanz. Signifikante Zusammenhänge blieben insbesondere für Harninkontinenz, Sehbeeinträchtigungen und depressive Symptome bestehen.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Stürze bei Hochaltrigen meist multifaktoriell bedingt sind. Für die hausärztliche Praxis ergeben sich daraus mehrere Ansatzpunkte für die Prävention: die systematische Erfassung früherer Stürze, die Behandlung von Mobilitäts- und Sehproblemen, das Management von Harninkontinenz und depressiver Symptomatik sowie regelmäßige Medikationsanalysen. Auch wenn der unabhängige Einfluss von FRIDs in der adjustierten Analyse knapp nicht signifikant war, sprechen die hohe Verbreitung dieser Arzneimittel und ihre bekannten Nebenwirkungen dafür, die Medikation im Rahmen einer ganzheitlichen Sturzprävention regelmäßig zu überprüfen.