Hausärzt:in 05/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Neue Präzisions-OP eröffnet Chancen bei Prostatakrebs

Ein neuer chirurgischer Ansatz in der Behandlung des Prostatakarzinoms an der MedUni Wien und am AKH Wien stellt nicht mehr primär die radikale Prostatektomie in den Vordergrund. Stattdessen wird eine fokussierte, robotergestützte Tumorresektion angestrebt, mit dem Ziel eines maximalen Funktionserhalts.

An der Universitätsklinik für Urologie der MedUni Wien und des AKH Wien wird im Rahmen einer klinischen Studie bei selektierten Patienten mit Prostatakarzinom ein neuer robotisch assistierter Operationsansatz eingesetzt. Im Unterschied zur klassischen radikalen Prostatektomie steht nicht mehr die vollständige Drüsenentfernung im Vordergrund, sondern eine gezielte, tumorfokussierte Resektion. Neben onkologischer Sicherheit und adäquater Tumorkontrolle zielt dieses Konzept insbesondere auf den Erhalt der Funktion ab, darunter Harnkontinenz, sexuelle Funktion und allgemeine Lebensqualität.

Die Umsetzung dieses Ansatzes basiert auf wesentlichen Fortschritten der letzten Jahre, wie eine zunehmende Früherkennung des Prostatakarzinoms, hochauflösende multiparametrische Bildgebung zur präzisen Lokalisation und Ausdehnungsbeurteilung sowie verbesserte molekulare und klinische Risikostratifizierungsinstrumente. Dadurch lassen sich jene Patienten identifizieren, bei denen ein organ- und funktionserhaltendes operatives Vorgehen onkologisch sinnvoll ist. Technische und konzeptionelle Limitationen, die diesen Ansatz bislang eingeschränkt haben, können heute in ausgewählten Fällen überwunden werden.

"Wir erleben hier einen echten Wandel in der Prostatakrebschirurgie. Über Jahrzehnte hinweg war die radikale Entfernung der gesamten Prostata der Standard. Mit der neuen Präzisionsoperation können wir bei sorgfältig ausgewählten Patienten einen anderen Weg gehen: Wir behandeln den Tumor mit einem Sicherheitsrand und versuchen gleichzeitig, möglichst viel gesundes Gewebe und möglichst viele Funktionen zu erhalten. Das ist patientenzentrierte Krebschirurgie", erläutert Shahrokh F. Shariat, Leiter der Universitätsklinik für Urologie sowie des Comprehensive Cancer Centers der MedUni Wien und des AKH Wien.

Das Konzept der prostataerhaltenden Präzisionschirurgie reflektiert einen Paradigmenwechsel, der bereits aus der Mammakarzinomchirurgie bekannt ist. Die Abkehr von maximaler Radikalität hin zu differenzierten, funktionserhaltenden Eingriffen. Analog zur Entwicklung von der radikalen Mastektomie hin zur brusterhaltenden Lumpektomie wird nun auch beim Prostatakarzinom eine selektivere operative Strategie verfolgt. 

Die zugrunde liegende Technik wurde in New York entwickelt. Die Universitätsklinik für Urologie der MedUni Wien und des AKH Wien ist das erste Zentrum außerhalb der USA, das dieses Verfahren nutzt. Zur Unterstützung bei der Implementierung dieses Ansatzes besucht ein spezialisiertes Team aus New York unter der Leitung von Mani Menon die Universitätsklinik für Urologie in Wien. "Dieses Verfahren steht für eine neue chirurgische Präzision. Entscheidend sind die sehr sorgfältige Auswahl geeigneter Patienten, die exakte präoperative Bildgebung und die technisch hochpräzise robotisch unterstützte Umsetzung im Operationssaal", betont Mesut Remzi, stellvertretender Klinikleiter.