Hausärzt:in 05/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Start von Pilotprojekten für Darmkrebsscreening

In Wien und der Steiermark werden im Sommer Pilotprojekte zur Einführung eines populationsbasierten Darmkrebsscreenings gestartet.

Doris Kiefhaber, Geschäftsführerin der Österreichischen Krebshilfe, erläutert: "Wir haben uns seit Jahren – in Anlehnung an das Mammografie-Screening – ein österreichweites Modell des Darmkrebs-Screenings gewünscht und dies auch gefordert. Leider schien das aus monetären Gründen flächendeckend nicht möglich gewesen zu sein." Zugleich weist sie auf bestehende Versorgungsunterschiede hin: "Wir sind zwar allen Bundesländern dankbar, die jetzt einmal starten, empfinden es aber gegenüber der Bevölkerung in den restlichen Bundesländern als nicht fair und nachvollziehbar, dass sie derzeit nicht den Vorteil eines organisierten Screenings haben."

Das kolorektale Karzinom zählt in Österreich zu den drei häufigsten malignen Erkrankungen, ein flächendeckend organisiertes Vorsorgeprogramm existiert derzeit jedoch noch nicht. Dabei nimmt es aus präventivmedizinischer Sicht eine besondere Stellung ein, da sowohl Früherkennung als auch Prävention möglich sind. In diesem Zusammenhang ist zwischen dem FIT-Stuhltest als Methode zur Detektion okkulter Blutbeimengungen und der Koloskopie als präventiver Maßnahme zu unterscheiden. Werden im Rahmen der Untersuchung Polypen entdeckt, können diese abgetragen werden und die Erkrankung so weitgehend vermieden werden. 

In Österreich werden jährlich rund 5.000 Neuerkrankungen diagnostiziert. Zur Risikoreduktion kann bundesweit bereits ohne Einladungssystem ab dem 45. Lebensjahr alle zehn Jahre eine Koloskopie durchgeführt werden. Ergänzend besteht im Rahmen der allgemeinen Vorsorgeuntersuchung die Möglichkeit, im Abstand von ein bis zwei Jahren einen FIT-Test auf nicht sichtbares Blut im Stuhl durchführen zu lassen. Eine strukturierte Ausnahme bildet das Burgenland, wo seit 2006 ein organisiertes Screening etabliert ist: Personen zwischen 40 und 80 Jahren erhalten regelmäßig einen FIT-Test per Post und werden bei positivem Befund zur Koloskopie zugewiesen.

Aktuell werden in Wien und der Steiermark Pilotprojekte implementiert, die laut Österreichischer Gesundheitskasse (ÖGK) neben der Etablierung des Screenings in diesen Bundesländern insbesondere auch dem Erkenntnisgewinn und der Vorbereitung eines bundesweiten Screenings dienen sollen. Die ÖGK verfolgt dabei einen stufenweisen Ausbau und betont, dass die Programme Wissen für ein bundesweites Darmkrebs-Screening generieren und so zum erfolgreichen Roll-out beitragen sollen. Details zur konkreten Umsetzung stehen noch aus. Die Sozialversicherung beteiligt sich jedoch in Wien an 50 % der entstehenden Programmkosten.

Im Gegensatz dazu besteht für Brustkrebs bereits seit 2014 ein strukturiertes, qualitätsgesichertes Früherkennungsprogramm mit Einladungssystem. Frauen zwischen 40 und 74 Jahren können alle zwei Jahre eine Mammografie in Anspruch nehmen, wobei im Alter von 45 bis 74 Jahren keine Einladung oder ärztliche Zuweisung erforderlich ist. Ergänzend dazu steht Frauen ab dem 18. Lebensjahr jährlich im Rahmen der gynäkologischen Untersuchung ein PAP-Abstrich zur Verfügung. Die HPV-Impfung zur Prävention von Gebärmutterhalskrebs und weiteren HPV-assoziierten Tumoren ist für Mädchen und Buben ab dem neunten Lebensjahr empfohlen und kostenfrei.

Für das Prostatakarzinom wird derzeit ein opportunistisches Screening angeboten. Männer ab 45 Jahren können regelmäßig eine Früherkennungsuntersuchung durchführen lassen, bei positiver Familienanamnese wird ein Beginn ab dem 40. Lebensjahr empfohlen. Zur Anwendung kommt primär der PSA-Test, während die digitale rektale Untersuchung zunehmend an Bedeutung verliert. Fachgesellschaften fordern auch hier die Einführung eines organisierten Screeningprogramms.

Für Hautkrebs existiert hingegen kein einheitliches Früherkennungsprogramm, und auch die Kostenübernahme für dermatologische Vorsorgeuntersuchungen ist nicht bundesweit geregelt. Seitens der Krebshilfe wird empfohlen, zweimal jährlich eine Selbstuntersuchung der Haut durchzuführen und bei auffälligen Veränderungen umgehend eine dermatologische Abklärung zu veranlassen.

Perspektivisch wird darüber hinaus die Einführung eines Lungenkrebsscreenings diskutiert. Kiefhaber verweist auf die zunehmende Evidenzbasis: "Die wissenschaftliche Evidenz für eine Empfehlung zu einem Low-Dose-CT für Risiko-Patient:innen wie starke Raucher:innen verdichtet sich zunehmend und aus unserer Sicht wäre ein solches maßgeschneidertes Screening-Angebot eine wichtige Maßnahme."

Seitens der ÖGK wird abschließend betont: "Weitere Screeningprogramme brauchen insbesondere zwei Voraussetzungen: Sie müssen klaren evidenzbasierten Empfehlungen folgen und es braucht eine gemeinsame strukturierte Umsetzung durch die Systempartner Bund, Länder und Sozialversicherung." Zudem gilt, Screenings sind nur dann medizinisch wirksam, wenn es nicht bloß als zusätzliche Untersuchung angeboten wird, sondern als organisiertes Programm mit klarer Zielgruppe, Einladungssystem, Dokumentation und Qualitätssicherung.