Hausärzt:in 05/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

GLP-1-Rezeptoragonisten bei Brustkrebs?

GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA) sind bekannt für ihre wirksame Senkung von Körpergewicht und Blutzucker. Da sowohl Adipositas als auch Typ-2-Diabetes mit einer ungünstigen Prognose bei Brustkrebspatientinnen assoziiert sind, erscheint die Hypothese plausibel, dass GLP-1-RA einen prognostischen Vorteil bieten könnten. Einen entsprechenden Zusammenhang wollen nun Forscher:innen aus den USA aufgezeigt haben.

Eine retrospektive Analyse aus dem TriNetXUS Collaborative Network (68 US-Gesundheitseinrichtungen; Diagnosezeitraum 2006–2023) untersuchte den Zusammenhang zwischen der Anwendung von GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA) und onkologischen Outcomes bei Patientinnen mit Mammakarzinom sowie Adipositas und/oder Typ-2-Diabetes mellitus (T2D).

Nach Propensity-Score-Matching wurden drei Kohorten gebildet:

  • Adipositas-Kohorte (BMI ≥ 30): Vergleich GLP-1-RA vs. keine GLP-1-RA (n = 1.610 je Gruppe)
  • T2D-Kohorten:
    • GLP-1-RA vs. Insulin/Metformin (n = 2.323)
    • GLP-1-RA vs. SGLT-2-Inhibitoren (n = 4.052)

In der Adipositas-Kohorte waren GLP‑1‑RA mit einer signifikant reduzierten Gesamtmortalität (HR 0,35) sowie einem geringeren Rezidivrisiko (HR 0,44) über einen Beobachtungszeitraum von bis zu 10 Jahren assoziiert. Die 5- und 10-Jahres-Überlebensraten betrugen 97,4 % bzw. 96,0 % unter GLP‑1‑RA im Vergleich zu 93,2 % bzw. 88,6 % ohne diese Therapie.

Auch bei Patientinnen mit T2D zeigte sich im Vergleich zu Insulin oder Metformin eine deutlich reduzierte Gesamtmortalität (HR 0,09) sowie ein niedrigeres Rezidivrisiko (HR 0,33). Demgegenüber ergaben sich im Vergleich zu SGLT‑2-Inhibitoren keine signifikanten Unterschiede im Überleben. Die 5- und 10-Jahres-Überlebensraten lagen bei 86,3 % bzw. 75,5 % unter GLP‑1‑RA und bei 88,9 % bzw. 73,4 % unter SGLT‑2-Inhibition.

Die Resultate stießen jedoch international unmittelbar auf erhebliche Skepsis. In einem begleitenden Editorial in JAMA Network Open weist Richard C. Wender (University of Pennsylvania) auf zentrale Limitationen der Studie hin. Die Definition der Exposition als GLP‑1‑RA-Anwendung basierte bereits auf der Einlösung von mindestens zwei Rezepten, ohne Angaben zur tatsächlichen Therapiedauer oder zum eingesetzten Wirkstoff. Zudem fehlten wesentliche klinische Parameter, darunter Daten zum Gewichtsverlauf, zum Ausmaß eines möglichen Gewichtsverlusts sowie zur erreichten glykämischen Kontrolle. Auffällig sei zudem, dass der Vorteil gegenüber SGLT‑2-Inhibitoren deutlich geringer ausfiel, was Fragen zur Konsistenz der Ergebnisse aufwerfe.

Darüber hinaus liefert die Studie keine Hinweise auf zugrunde liegende biologische Mechanismen. Unklar bleibt, ob die beobachteten Effekte primär durch Gewichtsreduktion und metabolische Verbesserungen bedingt sind oder ob direkte tumorbiologische Effekte der GLP‑1‑RA eine Rolle spielen.

Auch weitere Expert:innen äußerten erhebliche Zweifel an der Validität der Befunde und betonten die hohe Anfälligkeit für Residualkonfundierung und Selektionsbias. Insbesondere die außergewöhnlich großen Effektstärken werden als zentrales Warnsignal interpretiert. So erscheint eine Reduktion der Gesamtmortalität um mehr als 90 % im Vergleich zu etablierten Therapien wie Metformin oder Insulin aus biologischer und klinischer Sicht wenig plausibel. Prospektive, kontrollierte Studien sind jetzt erforderlich, um den Zusammenhang valide zu prüfen.