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Lyme-Borreliose: Neue Daten zur Epidemiologie in Österreich

Die Lyme-Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragene Infektionskrankheit Europas, ihre tatsächliche Krankheitslast in Österreich blieb bislang jedoch unklar. Eine aktuelle Analyse österreichischer Gesundheitsdaten schätzt nun rund 20.000 medizinisch behandelte Fälle pro Jahr. 

Die Lyme-Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragene Infektionskrankheit in Europa. Da die Erkrankung in Österreich nicht meldepflichtig ist, fehlten bislang belastbare Daten zur tatsächlichen Zahl der Betroffenen.

Eine aktuelle Auswertung österreichischer Gesundheitsdaten liefert nun erstmals ein umfassendes Bild der Krankheitslast. Für die Analyse wurden Krankenhausdaten aus den Jahren 2015 bis 2023 herangezogen. Den Schätzungen zufolge benötigen jährlich rund 20.000 Personen aufgrund einer Lyme-Borreliose medizinische Behandlung. Etwa 900 Patient:innen werden pro Jahr stationär aufgenommen und verbringen im Durchschnitt acht Tage im Krankenhaus. Besonders betroffen sind Kinder im Alter von fünf bis neun Jahren sowie Erwachsene ab 60 Jahren. Die höchsten Erkrankungsraten wurden in Kärnten und im Burgenland registriert. Saisonale Häufungen zeigen sich vor allem in den Sommermonaten, wenn die Zeckenaktivität am höchsten ist. Angesichts klimatischer Veränderungen könnte die Krankheitslast künftig weiter zunehmen.

Die Lyme-Borreliose wird durch Bakterien der Gattung Borrelia verursacht und durch den Stich infizierter Zecken übertragen. In Österreich trägt etwa jede vierte Zecke das Bakterium. Im Gegensatz zur FSME, die durch ein Virus verursacht wird und primär das zentrale Nervensystem betrifft, kann die Lyme-Borreliose verschiedene Organsysteme befallen, insbesondere die Haut. Auch hinsichtlich der Übertragung bestehen Unterschiede. Während FSME-Viren bereits kurz nach dem Zeckenstich übertragen werden können, erfolgt die Übertragung von Borrelien in der Regel erst nach längerer Saugdauer. Die frühzeitige Entfernung einer Zecke kann daher das Infektionsrisiko reduzieren.

Leitsymptom des Frühstadiums ist die Wanderröte (Erythema migrans), ein sich ausdehnendes, ringförmiges Erythem an der Stichstelle, das typischerweise drei bis 30 Tage nach dem Zeckenstich auftritt. Es wird bei etwa 85 % der Erkrankten beobachtet und gilt als wichtiges klinisches Warnsignal. Darüber hinaus können unspezifische Allgemeinsymptome wie Fieber, Müdigkeit sowie Kopf- und Gelenkschmerzen auftreten. Wird die Erkrankung frühzeitig erkannt und antibiotisch behandelt, ist die Prognose in der Regel günstig. Unbehandelt kann es zur Dissemination der Infektion mit Manifestationen an Gelenken, Herz oder Nervensystem kommen. Bei Kindern stehen neuroborreliosespezifische Manifestationen wie Meningitis und Fazialisparese im Vordergrund, während bei Erwachsenen häufiger schmerzhafte Radikulitiden und Paresen beobachtet werden.

Da derzeit keine zugelassene Impfung gegen Lyme-Borreliose verfügbar ist, kommt der Primärprävention besondere Bedeutung zu. Empfohlen werden körperbedeckende Kleidung, die Anwendung von Repellents sowie das Absuchen des Körpers auf Zecken nach Aufenthalten im Freien.