Hausärzt:in 6/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Schlafstörungen bei älteren Erwerbstätigen häufiger als erwartet

Schlafstörungen könnten bei älteren Erwerbstätigen weit verbreitet und häufig unerkannt sein. Darauf weist eine prospektive Studie hin.

Ein Forschungsteam der University of Edinburgh begleitete über 12 Monate 45 Berufstätige im Alter von 50 bis 66 Jahren aus verschiedenen Branchen. Zu Studienbeginn sowie in wöchentlichen und monatlichen Abständen wurden mittels standardisierter Fragebögen arbeitsbedingter Stress, Arbeitszufriedenheit, psychisches Wohlbefinden und Schlafqualität erfasst.

Bereits zu Studienbeginn berichteten knapp 70 % der Teilnehmer:innen über klinisch relevante Schlafprobleme, obwohl zuvor keine Schlafstörung bekannt war. Im Studienverlauf erfüllten rund 92 % mindestens einmal die Kriterien einer Schlafstörung. Die Prävalenz lag damit höher als in vielen früheren Untersuchungen älterer Erwerbstätiger und könnte auf eine erhebliche Zahl bislang unerkannter Schlafstörungen hindeuten.

Arbeitsbedingter Stress war eng mit einer verminderten Schlafqualität und einem schlechteren psychischen Wohlbefinden assoziiert. Eine gute Work-Life-Balance und hohe Arbeitszufriedenheit gingen hingegen mit besseren Werten für das psychische Wohlbefinden einher. Teilnehmer:innen, die sich am Arbeitsplatz häufig niedergeschlagen, gereizt, emotional erschöpft oder angespannt fühlten, berichteten konsistent über eine geringere psychische Gesundheit und eine schlechtere Schlafqualität. Die Autor:innen sehen hierin Hinweise auf potenzielle Burnout-Risiken und psychische Belastungen im Übergang zum Ruhestand.

Zur objektiven Erfassung von Schlaf und Aktivität trugen die Teilnehmer:innen zu drei Messzeitpunkten für insgesamt etwa 35 bis 40 Tage einen Aktigraphen am Handgelenk. Insgesamt wurden 1.901 Fragebögen sowie mehr als 5.200 Tage Aktigraphiedaten ausgewertet. Die Kombination aus wiederholten Selbstauskünften und kontinuierlicher Aktigraphie ermöglichte die Identifikation individueller Muster und Schwankungen.

Die Aktigraphiedaten bestätigten die subjektiven Angaben und lieferten zusätzliche Hinweise auf die Ursachen der Schlafprobleme. Obwohl die durchschnittliche Schlafdauer bei den meisten Teilnehmer:innen zwischen 6,5 und 8 Stunden pro Nacht lag, zeigten etwa 90 % wiederholt nächtliche Schlafunterbrechungen und häufiges Erwachen. Die Schlafproblematik war damit primär durch eine reduzierte Schlafkontinuität und verminderte Schlafeffizienz, nicht jedoch durch eine verkürzte Schlafdauer gekennzeichnet. Viele Betroffene führten ihre Schlafprobleme fälschlicherweise auf zu wenig Schlaf zurück. Nächtliche Schlafunterbrechungen und eine gestörte Schlafkontinuität waren zudem eng mit einem verminderten psychischen Wohlbefinden assoziiert.

Nach Auffassung der Autor:innen unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung eines routinemäßigen Screenings auf Schlafstörungen und psychische Belastungen bei älteren Erwerbstätigen. Die langfristige Erfassung mittels tragbarer Sensoren könnte dazu beitragen, bislang unerkannte Schlafprobleme frühzeitig zu identifizieren und gezielte Präventions- und Interventionsmaßnahmen für einen gesunden Übergang in den Ruhestand zu entwickeln.