Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. In Österreich erkrankt etwa jede zehnte Frau im Laufe ihres Lebens daran. Die Inzidenz nimmt insbesondere bei jüngeren prämenopausalen Frauen zu. Fortschritte in der Früherkennung und Therapie haben die Prognose heute deutlich verbessert und zu einer Zunahme von Langzeitüberlebenden geführt. In dieser Patientinnengruppe können kardiovaskuläre Komplikationen langfristig einen ebenso relevanten oder sogar größeren Einfluss auf Morbidität und Mortalität haben als die Krebserkrankung selbst.
Für die systemische Behandlung des Mammakarzinoms steht heute ein breites Spektrum wirksamer Therapien zur Verfügung. Zahlreiche dieser Behandlungen sind jedoch mit potenziell kardiotoxischen Effekten assoziiert. Dazu zählen insbesondere Anthrazykline, HER2-gerichtete Therapien, endokrine Therapien, zielgerichtete Therapien wie CDK4/6-Inhibitoren sowie Immuntherapien. Auch die Strahlentherapie, insbesondere bei linksseitiger Bestrahlung, kann das langfristige Risiko kardiovaskulärer Ereignisse erhöhen.
Das Spektrum möglicher kardialer Nebenwirkungen umfasst unter anderem Herzinsuffizienz, arterielle Hypertonie, Herzrhythmusstörungen einschließlich QT-Zeit-Verlängerung, metabolische Veränderungen sowie Myokarditiden. Die Manifestation kann sowohl während der Therapie als auch erst Jahre nach deren Abschluss erfolgen.
Ein strukturiertes kardiovaskuläres Management sollte den gesamten Krankheitsverlauf begleiten. Die Autor:innen empfehlen, das individuelle kardiovaskuläre Risiko bereits vor Beginn einer potenziell kardiotoxischen Therapie systematisch zu erfassen. Grundlage hierfür sind etablierte Risikoscores zur Abschätzung des Kardiotoxizitätsrisikos sowie kardiologische Basisuntersuchungen, einschließlich EKG, Bestimmung der linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF) und kardialer Biomarker. Bei Patientinnen mit hohem oder sehr hohem Risiko wird zusätzlich eine kardioonkologische Mitbetreuung empfohlen. Auf Basis der Risikostratifizierung sollten Umfang und Intensität der kardiologischen Überwachung festgelegt und gegebenenfalls kardioprotektive Maßnahmen eingeleitet werden.
Während der Brustkrebstherapie sind regelmäßige kardiovaskuläre Verlaufskontrollen erforderlich. Treten kardiovaskuläre Komplikationen auf, sollte interdisziplinär geprüft werden, ob Anpassungen der onkologischen Behandlung notwendig sind. Bei Hochrisikopatientinnen können engmaschigere Kontrollintervalle sowie präventive Strategien wie eine neurohormonelle Blockade oder eine Statintherapie erwogen werden.
Auch nach Abschluss der Krebstherapie wird eine langfristige kardiologische Nachsorge empfohlen, insbesondere nach hoch dosierter Anthrazyklintherapie oder linksseitiger Thoraxbestrahlung. Regelmäßige körperliche Aktivität beziehungsweise eine kardiale Rehabilitation, die konsequente Behandlung kardiovaskulärer Risikofaktoren sowie fortlaufende Kontrollen der Herzfunktion bleiben dabei zentrale Bestandteile der Betreuung. Bei Hochrisikopatientinnen kann zudem eine jährliche Echokardiografie sinnvoll sein, um eine krebstherapieassoziierte kardiale Dysfunktion frühzeitig zu erkennen.