Venöse Thromboembolien (VTE) mit tiefer Venenthrombose oder Lungenembolie treten häufig im Zusammenhang mit vorübergehenden Risikofaktoren wie operativen Eingriffen, akuten Erkrankungen mit Immobilisation oder der Anwendung hormoneller Kontrazeptiva auf. Nach Wegfall des auslösenden Faktors wird das Rezidivrisiko traditionell als gering eingeschätzt, weshalb die Antikoagulation in diesen Fällen üblicherweise zeitlich begrenzt erfolgt. Allerdings unterscheiden sich transiente Risikofaktoren hinsichtlich ihrer thrombogenen Potenz erheblich, was sich möglicherweise auch auf das langfristige Rezidivrisiko auswirkt.
In die neue prospektive Studie wurden Patient:innen mit einer durch einen vorübergehenden Risikofaktor provozierten VTE eingeschlossen. Die Klassifikation der Risikofaktoren erfolgte gemäß den Kriterien der International Society on Thrombosis and Haemostasis (ISTH) in starke ("major") und schwächere ("minor") transiente Risikofaktoren. Nach Beendigung der Antikoagulation wurden die Patient:innen über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren hinsichtlich VTE-Rezidiven nachbeobachtet.
Während der Nachbeobachtung traten bei 20 von 242 Patient:innen erneute thromboembolische Ereignisse auf. Unerwartet zeigte sich das höchste Rezidivrisiko bei Patient:innen mit einer initialen VTE im Zusammenhang mit einem starken transienten Risikofaktor. Das kumulative Rezidivrisiko betrug in dieser Gruppe 11,5 % nach einem Jahr und 19,7 % nach zwei Jahren. Der überwiegende Teil der Rezidive entfiel auf Patient:innen, deren Indexereignis nach einer größeren Operation aufgetreten war.
Demgegenüber war das Rezidivrisiko bei schwächeren transienten Risikofaktoren deutlich geringer und lag bei 1,9 % nach einem Jahr bzw. 5,0 % nach zwei Jahren. Besonders günstig war die Prognose bei Frauen mit einer ausschließlich durch kombinierte hormonelle Kontrazeptiva ausgelösten VTE. In dieser Subgruppe von 81 Patientinnen wurde während der gesamten Nachbeobachtungszeit kein Rezidiv beobachtet.
Die neuen Daten deuten auf mindestens drei unterschiedliche Risikokonstellationen hin. Ein erhöhtes Rezidivrisiko nach starken transienten Auslösern, insbesondere nach größeren operativen Eingriffen, ein intermediäres Risiko bei anderen vorübergehenden Risikofaktoren sowie ein sehr niedriges Risiko bei ausschließlich kontrazeptionsassoziierten VTE-Ereignissen. Die Studienergebnisse legen nahe, dass die Dauer der Antikoagulation nach provozierter VTE stärker an Art und Ausprägung des auslösenden Risikofaktors sowie am individuellen Rezidivrisiko ausgerichtet werden sollte, anstatt alle provozierten Ereignisse als einheitliche Niedrigrisikokonstellation zu betrachten.