Hausärzt:in 6/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Hat die Blutgruppe Einfluss auf die COVID-19-Impfantwort?

Unter Leitung der MedUni Wien wurde untersucht, ob die AB0-Blutgruppe oder der Rhesusfaktor die Antikörperantwort nach einer SARS-CoV-2-Boosterimpfung sowie die Schwere einer COVID-19-Erkrankung beeinflussen.

Seit Beginn der COVID-19-Pandemie wird diskutiert, ob Blutgruppenmerkmale das Risiko einer SARS-CoV-2-Infektion die Impfantwort oder den klinischen Verlauf einer COVID-19-Erkrankung beeinflussen. Während mehrere Studien Zusammenhänge mit dem Infektionsrisiko beschrieben haben, sind die Ergebnisse hinsichtlich der Immunantwort nach Impfungen und der Erkrankungsschwere bislang uneinheitlich.

Für die neue Studie wurden Daten von 3.066 Erwachsenen analysiert, die nach einer COVID-19-Grundimmunisierung eine Auffrischungsimpfung mit einem mRNA-Impfstoff erhalten hatten. Untersucht wurden die Antikörperantwort vier Wochen nach der Boosterimpfung sowie das Auftreten und der Verlauf von SARS-CoV-2-Durchbruchsinfektionen über einen Zeitraum von sechs Monaten. Bestimmt wurden Antikörper gegen die Rezeptorbindungsdomäne (RBD) des Spike-Proteins sowie in einer Subgruppe neutralisierende Antikörper.

Die Analyse ergab keine Unterschiede in der Antikörperantwort zwischen den einzelnen AB0-Blutgruppen oder zwischen Rhesus-positiven und Rhesus-negativen Personen. Auch die Konzentrationen neutralisierender Antikörper gegen den Wildtyp von SARS-CoV-2 und die Omikron-Variante waren vergleichbar. Die Ergebnisse liefern somit keine Hinweise darauf, dass die AB0-Blutgruppe oder der Rhesusfaktor die Immunantwort nach einer COVID-19-Boosterimpfung beeinflussen.

Anders stellte sich die Situation bei den Durchbruchsinfektionen dar. Innerhalb von sechs Monaten nach der Boosterimpfung traten diese bei 35,6 % der Teilnehmer:innen auf. Die Häufigkeit lag bei Personen mit Blutgruppe A bei 37,7 % und bei Blutgruppe 0 bei 36,7 %, während sie bei Blutgruppe B 30 % und bei Blutgruppe AB 28 % betrug. Nach Adjustierung für potenzielle Störfaktoren blieb insbesondere für die Blutgruppe AB ein reduziertes Risiko für Durchbruchsinfektionen bestehen. Für den Rhesusfaktor zeigte sich hingegen kein Zusammenhang mit dem Infektionsrisiko.

Auch hinsichtlich der Erkrankungsschwere fanden sich keine Unterschiede zwischen den AB0-Blutgruppen oder dem Rhesusstatus. In der untersuchten Kohorte verliefen sämtliche COVID-19-Erkrankungen asymptomatisch bis mittelschwer. Schwere Verläufe mit Hospitalisierung wurden nicht beobachtet.

Die zugrunde liegenden biologischen Mechanismen sind nach Einschätzung der Autor:innen jedoch weiterhin nicht vollständig geklärt.