Hausärzt:in 6/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Tirzepatid: Vorteile über die Blutzuckerkontrolle hinaus

Arbeitsgruppen der TU München und der Harvard Medical School untersuchten in einer aktuellen Studie, ob eine Behandlung mit Tirzepatid bei Menschen mit Typ-2-Diabetes und Adipositas im Vergleich zu einem etablierten Diabetesmedikament das Risiko für Myokardinfarkte sowie infektionsbedingte Krankenhauseinweisungen senken kann.

Die Forschungsgruppen verglichen in einer Beobachtungsstudie 52.971 neue Anwender:innen von Tirzepatid mit neuen Anwender:innen von Sitagliptin. Eingeschlossen wurden Erwachsene ab 40 Jahren mit Typ-2-Diabetes, einem BMI ≥ 25 kg/m2 und dokumentierter atherosklerotischer kardiovaskulärer Erkrankung. Grundlage der Analyse waren Daten aus zwei großen US-amerikanischen Krankenversicherungsdatenbanken. Sitagliptin wurde als Vergleichssubstanz gewählt, da in früheren Studien keine relevanten Auswirkungen auf kardiovaskuläre Endpunkte nachgewiesen wurden und der Wirkstoff daher als weitgehend neutraler Vergleichsarm gilt.

Primärer Endpunkt war das Auftreten schwerer kardiovaskulärer Ereignisse (Major Adverse Cardiovascular Events, MACE), definiert als kombinierter Endpunkt aus Myokardinfarkt, Schlaganfall und Gesamtmortalität. Die Nachbeobachtung erfolgte vom Beginn der Therapie bis maximal ein Jahr nach Behandlungsstart bzw. bis zum Therapieabbruch, Wechsel auf eine andere antidiabetische Medikation oder Austritt aus der Krankenversicherung.

Das mittlere Alter der Teilnehmenden betrug 70 Jahre und 51 % waren Frauen. Insgesamt erhielten 35.353 Personen Tirzepatid und 17.618 Sitagliptin. Nach einem Jahr lag das MACE-Risiko unter Tirzepatid bei 2,9 % gegenüber 4,4 % unter Sitagliptin. Die absolute Risikodifferenz betrug −1,4 Prozentpunkte. Daraus errechneten die Autor:innen eine Number Needed to Treat (NNT) von etwa 70, um innerhalb eines Jahres ein MACE zu verhindern.

Im Vergleich zu Sitagliptin war Tirzepatid mit einem signifikant niedrigeren MACE-Risiko assoziiert (HR 0,68). Auch für Myokardinfarkte zeigte sich eine Risikoreduktion (HR 0,67), während für ischämische Schlaganfälle kein signifikanter Unterschied festgestellt wurde (HR 0,91). Darüber hinaus waren unter Tirzepatid Krankenhausaufnahmen aufgrund von Infektionen seltener (HR 0,64). Ebenso waren die infektionsbedingte Mortalität (HR 0,40) und die Gesamtmortalität (HR 0,55) niedriger als unter Sitagliptin.

Nach Einschätzung der Autor:innen liefert die Studie eine praxisnahe und transparente Bewertung der potenziellen Effekte einer Tirzepatid-Initiierung in der Routineversorgung. Zur Bestätigung der Ergebnisse seien jedoch Studien mit längerer Nachbeobachtungszeit sowie Untersuchungen zum zusätzlichen Nutzen in Kombination mit anderen Hintergrundtherapien erforderlich.