Hausärzt:in 6/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Globale LDL-Cholesterin-bedingte Krankheitslast nimmt weiter zu

Eine aktuelle Analyse zeigt, dass trotz wirksamer lipidsenkender Therapien die globale Krankheitslast durch erhöhte LDL-Cholesterinwerte seit 1990 weiter angestiegen ist. 

Das Ziel der Vereinten Nationen, die vorzeitige Mortalität durch nicht übertragbare Krankheiten bis 2030 um ein Drittel zu senken, rückt bei kardiovaskulären Erkrankungen zunehmend außer Reichweite. Erhöhte LDL-Cholesterin-(LDL-C-)Spiegel zählen zu den wichtigsten modifizierbaren Risikofaktoren für atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen, insbesondere für die ischämische Herzkrankheit und den ischämischen Schlaganfall. LDL-C ist ein zentraler Bestandteil kardiovaskulärer Risikovorhersagemodelle, ein primäres Therapieziel aktueller Leitlinien und ein wichtiger Indikator zur Beobachtung globaler Entwicklungen nicht übertragbarer Erkrankungen.

Im Rahmen der Global Burden of Disease Study 2023 untersuchten die Forschenden die Krankheitslast kardiovaskulärer Erkrankungen, die bei Erwachsenen ab 25 Jahren auf erhöhte LDL-C-Werte zurückzuführen ist. Analysiert wurde der Zeitraum von 1990 bis 2023. Die Schätzungen der mittleren LDL-C-Konzentrationen basierten auf 806 Studien aus 161 Ländern. Die Risikoabschätzungen wurden aus Metaanalysen von 38 randomisierten klinischen Studien abgeleitet.

Weltweit stieg die Zahl der Erwachsenen mit LDL-C-Werten von mindestens 54 mg/dl zwischen 1990 und 2023 von etwa 2,5 auf 4,6 Milliarden. Die niedrigsten altersstandardisierten mittleren LDL-C-Spiegel im Jahr 2023 wurden in Burkina Faso, Lesotho, Somalia und Ruanda (< 80 mg/dl) beobachtet, die höchsten in Serbien, Slowenien, Russland, Norwegen und Österreich (> 135 mg/dl).

Die für die Analyse verwendete LDL-C-Spanne von 35 bis 54 mg/dl diente als epidemiologischer Referenzwert für das globale Gesundheitsmonitoring und ist nicht als therapeutischer Zielbereich zu verstehen. In der klinischen Praxis liegen die empfohlenen LDL-C-Zielwerte deutlich höher und richten sich nach dem individuellen kardiovaskulären Risiko. Sie reichen in der Primärprävention typischerweise von < 130 mg/dl bis < 100 mg/dl, während für Personen mit erhöhtem Risiko Werte < 70 mg/dl und für Hochrisikopatient:innen < 55 mg/dl empfohlen werden.

Seit 1990 nahm die absolute Zahl der LDL-C-assoziierten Todesfälle und krankheitsbereinigten Lebensjahre (Disability-Adjusted Life Years, DALY) um rund 39 % zu. Ein DALY entspricht dem Verlust eines gesunden Lebensjahres. Im Jahr 2023 waren weltweit schätzungsweise 3,6 Millionen Todesfälle auf erhöhte LDL-C-Werte zurückzuführen, was 6,0 % aller Todesfälle entsprach. Zudem gingen 90,7 Millionen DALY beziehungsweise 3,2 % der globalen Krankheitslast auf erhöhte LDL-C-Spiegel zurück.

Demgegenüber sanken die altersstandardisierten Mortalitäts- und DALY-Raten seit 1990 um 45,6 % beziehungsweise 39,5 %. Nach Einschätzung der Autor:innen deutet diese Diskrepanz darauf hin, dass die Erfolge lipidsenkender Therapien und verbesserter Versorgungsstrukturen durch Bevölkerungswachstum und demografische Alterung teilweise kompensiert werden. Tatsächlich wurden die steigenden absoluten Krankheitszahlen vor allem durch Bevölkerungswachstum und Alterung getrieben. Gleichzeitig zeigten sich erhebliche regionale Unterschiede sowohl hinsichtlich der LDL-C-Exposition als auch der LDL-C-assoziierten DALY-Raten. Die Krankheitslast verlagerte sich zunehmend in Regionen mit mittlerem soziodemografischem Entwicklungsniveau.

Die Autor:innen folgern, dass eine konsequentere Prävention, eine frühere Diagnosestellung sowie ein breiterer Zugang zu wirksamen lipidsenkenden Therapien entscheidend sind, um die globale Krankheitslast durch erhöhte LDL-C-Werte nachhaltig zu reduzieren.