Hausärzt:in 6/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Arzneimittelrisiken bei Hitze besser erkennen

Hohe Temperaturen können die Wirkung und Verträglichkeit zahlreicher Medikamente beeinflussen. Die neue Calor-Liste soll eine praxisnahe Orientierung bieten, welche Arzneimittel bei Hitze ein besonderes Monitoring und eine verstärkte Patient:innenaufklärung erfordern.

Hitzewellen treten auch in Österreich zunehmend häufiger auf und werden infolge des Klimawandels voraussichtlich weiter zunehmen. Extreme Hitze kann erhebliche gesundheitliche Auswirkungen haben. Nach Angaben der AGES standen im Jahr 2024 in Österreich rund 1.000 Todesfälle mit Hitze in Zusammenhang. Besonders gefährdet sind ältere und multimorbide Patient:innen, da hohe Temperaturen die Wirksamkeit und Verträglichkeit bestimmter Arzneimittel beeinflussen können. Diese können das Risiko hitzebedingter Gesundheitsstörungen, etwa durch Beeinträchtigung der Schweißproduktion, der Hautdurchblutung oder des Durstempfindens, erhöhen. 

Die neu veröffentlichte Calor-Liste soll Ärzt:innen sowie andere Gesundheitsberufe dabei unterstützen, hitzerelevante Arzneimittelrisiken rasch zu erkennen und betroffene Patient:innen gezielt zu beraten.

Zu Beginn der Liste finden sich allgemeine Empfehlungen. So sollten Patient:innen beziehungsweise deren Angehörige bei Hitzewarnungen darauf hingewiesen werden, neben Leitungswasser und ungesüßtem Tee auch Getränke mit Elektrolyten zu konsumieren, beispielsweise Mineralwasser, Brühe, Elektrolytlösungen, isotonische Getränke oder Fruchtsaftschorlen. Empfohlen wird ein Natriumgehalt von 0,5 bis 1 g pro Liter. Dies gilt insbesondere für Menschen über 65 Jahre. Darüber hinaus sollten bei der Verordnung und Abgabe hitzesensibler Arzneimittel vor und während Hitzeperioden sowohl allgemeine als auch substanzspezifische Warnsymptome thematisiert werden, etwa Schwindel, Kopfschmerzen, Bewusstseinsstörungen oder Anzeichen einer Überdosierung. Patient:innen sollten zudem über geeignete Verhaltensmaßnahmen bei hohen Temperaturen informiert werden.

Die weiteren Kapitel enthalten spezifische Empfehlungen für einzelne Arzneimittel oder Arzneimittelgruppen, gegliedert in sechs Bereiche:

  • Stoffwechsel und Hormone (z. B. Insuline, Laxanzien, Levothyroxin)
  • Herz-Kreislauf-System (z. B. Antikoagulanzien, Antiarrhythmika, Antihypertensiva)
  • Immunsystem und Onkologie (z. B. Immunmodulatoren, Immunsuppressiva, onkologische Therapien)
  • Schmerzen und Entzündung (z. B. NSAR, Opioide)
  • Nervensystem und Psyche (z. B. Antidepressiva, Antipsychotika, Antiparkinson-Medikamente)
  • Applikationsformen (z. B. transdermale therapeutische Systeme)

Die Autor:innen betonen, dass aufgrund der begrenzten Evidenzlage keine konkreten Empfehlungen zur Dosisanpassung während Hitzeperioden gegeben werden können. Die Calor-Liste dient vielmehr dazu, Arzneimittelgruppen zu identifizieren, die das Risiko hitzebedingter Gesundheitsschäden oder unerwünschter Arzneimittelwirkungen erhöhen können. Sie soll das medizinische Fachpersonal dabei unterstützen, betroffene Patient:innen vor und während der Sommermonate gezielt zu beraten und gegebenenfalls ein engmaschigeres Monitoring von Vitalparametern, Medikamentenspiegeln oder Laborwerten zu veranlassen.

Die Liste finden Sie hier.