Hausärzt:in 6/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Hält eine wöchentliche HIV-Erhaltungstherapie die Virussuppression aufrecht?

In einer internationalen Phase-3-Studie wurde untersucht, ob eine einmal wöchentlich oral verabreichte HIV-Therapie die Virussuppression ebenso wirksam aufrechterhält wie eine etablierte tägliche Standardtherapie.

Die antiretrovirale Therapie der HIV-Infektion erfolgt heute meist mit zwei oder drei Wirkstoffen, die in einer Tablette kombiniert täglich eingenommen werden. Eine weitere Vereinfachung könnte die einmal wöchentliche orale Gabe der Wirkstoffkombination Islatravir/Lenacapavir (ISL/LEN) darstellen.

Islatravir ist ein nukleosidischer Reverse-Transkriptase-Translokationshemmer und seit April 2026 in Kombination mit Doravirin zur täglichen Behandlung einer HIV-1-Infektion zugelassen. Lenacapavir, ein Kapsid-Inhibitor, ist in Europa zur HIV-Prävention sowie zur Behandlung multiresistenter HIV-Infektionen zugelassen. Aufgrund ihrer langen Halbwertszeiten eignen sich beide Substanzen für eine wöchentliche orale Anwendung.

Bereits in einer Phase-2-Studie erreichte die wöchentliche Gabe von Islatravir und Lenacapavir nach 48 Wochen bei 94,2 % der Menschen mit HIV eine Viruslast von <50 Kopien/ml gegenüber 92,3 % unter der täglichen Dreifachkombination Bictegravir/Emtricitabin/Tenofoviralafenamid (B/F/TAF). Nun liegen die Ergebnisse der Phase-3-Studien ISLEND-1 und ISLEND-2 vor.

An ISLEND-1 nahmen 607 virologisch supprimierte HIV-Patient:innen an 106 Zentren teil. Die mediane CD4-Zellzahl betrug zu Studienbeginn 740/µl. Die Teilnehmer:innen wurden auf eine einmal wöchentliche Fixkombination aus ISL/LEN oder eine Fortführung von B/F/TAF randomisiert. Nach 48 Wochen erreichten 93,4 % der Patient:innen unter ISL/LEN und 92,4 % unter B/F/TAF eine HIV-1-RNA von <50 Kopien/ml. Die Adhärenz war unter ISL/LEN etwas höher: 98,0 % versus 95,8 % der Tabletten wurden eingenommen. Eine Einnahme von mindestens 95 % der vorgesehenen Dosen erreichte 96,0 % beziehungsweise 80,4 % der Teilnehmer:innen.

Beide Therapien wurden insgesamt gut vertragen. Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen traten bei 2,0 % unter ISL/LEN und 1,7 % unter B/F/TAF auf. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wurden bei 5,3 % beziehungsweise 4,6 % dokumentiert. Resistenzen gegen Islatravir oder Lenacapavir wurden nicht beobachtet. Da beide Wirkstoffe keine Aktivität gegen Hepatitis B besitzen, waren Patient:innen mit HBV-Koinfektion ausgeschlossen.

In ISLEND-2 wurden Patient:innen unter unterschiedlichen suppressiven HIV-Therapien eingeschlossen. Bei 76 % enthielt die Vortherapie einen Integrase-Inhibitor, bei 15 % einen nichtnukleosidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitor und bei 8 % einen Protease-Inhibitor. Die mittlere CD4-Zellzahl betrug 778/µl. Nach Randomisierung auf ISL/LEN oder Fortführung der bisherigen Therapie hielten 95,2 % beziehungsweise 95,5 % der Teilnehmenr:innen die Virossuppression (<50 Kopien/ml) aufrecht. Auch in dieser Studie erwies sich ISL/LEN als insgesamt sicher und gut verträglich. Behandlungsbedingte unerwünschte Ereignisse wurden jedoch häufiger berichtet als unter der unveränderten Standardtherapie (18 % vs. <1 %). Die häufigsten Nebenwirkungen waren Kopfschmerzen (5 %), Durchfall (3 %) und Übelkeit (3 %), überwiegend in milder Ausprägung. Therapieabbrüche erfolgten bei zwei Patient:innen unter ISL/LEN und einer Person unter Standardtherapie.

Bei der Befragung zur Therapiezufriedenheit bewerteten nahezu zwei Drittel der Umsteiger:innen die vorherige tägliche Einnahme als belastender. Nach 48 Wochen waren mehr als 75 % mit der wöchentlichen Therapie stärker oder deutlich stärker zufrieden, 14 % gleich zufrieden und rund 3 % bevorzugten ihre frühere tägliche Behandlung. Die Adhärenz lag in beiden Gruppen nahezu bei 100 %.