Eine durch Impfungen und frühere SARS-CoV-2-Infektionen erworbene Immunität schützt nicht unbedingt vor Long COVID. In der norwegischen PANORAMIC-Studie wurden 144 Erwachsene untersucht, die im Mittel dreimal geimpft waren und bereits eine COVID-19-Erkrankung durchgemacht hatten. Nach einer erneuten Infektion erhielten die Teilnehmer:innen innerhalb von fünf Tagen nach Symptombeginn und positivem Test randomisiert für fünf Tage Nirmatrelvir/Ritonavir oder Placebo.
Nirmatrelvir ist in Europa seit 2022 zur Behandlung der akuten COVID-19-Erkrankung zugelassen. Für bestehendes PASC (Post-Acute Sequelae of COVID-19) konnte in den randomisierten Studien STOP-PASC1 und PAX LC2 aber kein Nutzen nachgewiesen werden. Ob eine frühzeitige antivirale Therapie das Risiko für PASC senken kann, wurde jetzt in der PANORAMIC-Studie untersucht.
Primärer Endpunkt waren persistierende Symptome nach drei Monaten gemäß WHO-Definition. Erfasst wurden Fatigue, Dyspnoe und kognitive Beschwerden. Mindestens eines dieser Symptome berichteten 17 von 66 Personen (26 %) unter Nirmatrelvir/Ritonavir gegenüber 33 von 77 Teilnehmenden (43 %) unter Placebo. Dies entspricht einer Reduktion des Long-COVID-Risikos um 40 %. Auch die Symptomschwere war vermindert, der Severity Score sank um 58 %.
Die Autor:innen führen die insgesamt hohe PASC-Rate darauf zurück, dass gezielt nach Symptomen gefragt und auch leichte Beschwerden erfasst wurden. Aufgrund des doppelblinden Designs dürfte dies die Vergleichbarkeit der Gruppen jedoch nicht beeinträchtigt haben. Limitationen der Studie sind aber die geringe Teilnehmerzahl sowie das Fehlen einer Bewertung der klinischen Relevanz der Beschwerden. Andere Studien schätzen die Prävalenz klinisch relevanter PASC-Symptome auf etwa 7 %.
Dem potenziellen Nutzen müssen die Nebenwirkungen gegenübergestellt werden. Unter Nirmatrelvir/Ritonavir traten insbesondere Riechstörungen (86 % vs. 18 %) sowie Übelkeit oder Erbrechen (29 % vs. 10 %) häufiger auf. Palpitationen wurden dagegen unter Placebo häufiger berichtet (13 % vs. 3 %). Die Behandlung mit Nirmatrelvir/Ritonavir kann dafür aber die Erholung von der akuten COVID-19-Erkrankung beschleunigen.