Hausärzt:in 6/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Mit steigenden Temperaturen wächst das Legionellen-Risiko

Sechs behandelte Legionellen-Fälle am Kepler Universitätsklinikum Linz beschäftigen derzeit die Gesundheitsbehörden. Die Erkrankungen lenken den Blick auf einen Erreger, der insbesondere für Risikogruppen gefährlich werden kann.

Im Kepler Universitätsklinikum Linz wurden in den vergangenen Tagen sechs Patient:innen mit einer Legionellen-Infektion behandelt, ein Teil davon intensivmedizinisch. Die Behörden suchen gemeinsam mit der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) nach einer möglichen Infektionsquelle. Nach derzeitigem Stand gibt es jedoch keinen Hinweis auf einen gemeinsamen Ursprungsort der bisherigen Fälle.

Legionellen sind wasserbürtige Bakterien, die sich vor allem in warmem, stagnierendem Wasser vermehren. Besonders günstige Bedingungen finden sie in wenig genutzten Leitungen, Boilern oder anderen wasserführenden Systemen bei Temperaturen zwischen 25 und 45 °C. Mit steigenden Außentemperaturen kann daher auch das Risiko einer Vermehrung der Erreger in Trinkwasserinstallationen zunehmen.

Die Infektion erfolgt durch das Einatmen legionellenhaltiger Aerosole, etwa beim Duschen oder über Whirlpools, Luftbefeuchter und bestimmte Klimaanlagen. Eine Übertragung durch das Trinken kontaminierten Wassers spielt hingegen praktisch keine Rolle, da die Erreger im Magen durch die Magensäure abgetötet werden. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist nicht bekannt.

Grundsätzlich werden zwei Krankheitsbilder unterschieden. Das Pontiac-Fieber verläuft meist mild mit grippeähnlichen Beschwerden und heilt in der Regel folgenlos aus. Die Legionärskrankheit hingegen ist eine potenziell schwere Form der Pneumonie. Die Inkubationszeit beträgt meist zwei bis zehn Tage. Initial können Kopf- und Gliederschmerzen, Husten sowie gastrointestinale Beschwerden auftreten. Im weiteren Verlauf entwickeln viele Betroffene hohes Fieber mit Schüttelfrost, starken Husten, Dyspnoe und mitunter kardiovaskuläre Komplikationen. Unbehandelt kann die Erkrankung lebensbedrohlich verlaufen.

Besonders gefährdet für eine Infektion und schwere Krankheitsverläufe sind ältere Menschen, immunsupprimierte Personen sowie Patient:innen mit Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder chronischen Lungenerkrankungen.

Legionellen-Infektionen sind in Österreich meldepflichtig. Jeder bestätigte Fall wird an die Gesundheitsbehörden übermittelt, die mögliche epidemiologische Zusammenhänge prüfen und gegebenenfalls die Infektionsquelle ermitteln. Laut AGES wurden 2025 insgesamt 419 Fälle gemeldet. Die Sterblichkeit der Legionärskrankheit liegt Expert:innen zufolge bei etwa 10 bis 15 %.

Tipp für Ihre Patient:innen: Im Urlaubsquartier oder nach einer längeren Abwesenheit, etwa nach einer Urlaubsreise, sollten Wasserleitungen vor der Nutzung gründlich gespült werden. Empfohlen wird, alle Wasserhähne und Duschen mehrere Minuten, möglichst mit heißem Wasser, laufen zu lassen und währenddessen das Badezimmer zu verlassen beziehungsweise gut zu lüften, um den Kontakt mit möglicherweise belasteten Aerosolen zu vermeiden.