Hausärzt:in 6/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

THC gegen PTBS-bedingte Albträume?

Albträume zählen zu den belastendsten Symptomen einer PTBS. Eine Studie der Berliner Charité untersuchte jetzt den Nutzen von Dronabinol bei Patient:innen mit posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS). 

Traumatische oder lebensbedrohliche Ereignisse können langfristig nachwirken und zur Entwicklung einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) führen. Charakteristisch ist eine gestörte Verarbeitung der belastenden Erlebnisse, sodass traumabezogene Erinnerungen immer wieder unwillkürlich ins Bewusstsein drängen. Häufig treten zudem belastende Albträume auf, bei denen Betroffene das Trauma wiederholt durchleben und nicht selten mit ausgeprägten Angst- oder Panikreaktionen erwachen. Zur Behandlung kommen unter anderem Antidepressiva sowie antihypertensiv wirksame Substanzen zum Einsatz. Deren Wirksamkeit auf traumabezogene Albträume ist jedoch begrenzt.

Auf der Suche nach neuen Therapieoptionen untersuchte ein Forschungsteam den Einsatz von Tetrahydrocannabinol (THC), einem zentralen Wirkstoff der Cannabispflanze. THC wirkt über das Endocannabinoid-System, das unter anderem an der Regulation von Schlaf, Stressreaktionen und der Verarbeitung emotionaler Erinnerungen beteiligt ist. Es gibt Hinweise darauf, dass THC insbesondere während des REM-Schlafs die Traumaktivität reduzieren und dadurch nächtliche Stressreaktionen abschwächen kann.

In der randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie wurden mehr als 170 Patient:innen mit PTBS und häufigen, ausgeprägten Albträumen untersucht. Die Teilnehmer:innen erhielten über einen Zeitraum von zehn Wochen jeweils abends vor dem Schlafengehen entweder Dronabinol oder ein hinsichtlich Aussehen und Geschmack identisches Placebo.

Die Albtraumlast nahm auf einer achtstufigen Skala in der Dronabinol-Gruppe um durchschnittlich 3,7 Punkte ab, verglichen mit 2,2 Punkten unter Placebo. Zu Studienbeginn lag der Ausgangswert bei 6,57 Punkten in der Verumgruppe und bei 6,93 Punkten in der Placebogruppe. Bei 57,9 % der mit Dronabinol behandelten Patient:innen wurde ein klinisch relevantes Ansprechen beobachtet. Mehr als ein Drittel berichtete nach zehn Wochen über vollständige Beschwerdefreiheit hinsichtlich der Albträume, weitere 21 % über eine Reduktion der Albtraumlast um mindestens 50 %. Insgesamt nahmen etwa fünf von sechs Behandelten ihren Gesundheitszustand subjektiv als deutlich verbessert wahr.

Die Effekte des Cannabinoids beschränkten sich den Analysen zufolge vor allem auf Albträume und schlafbezogene Beschwerden. Für die globale Symptomschwere der PTBS sowie für begleitende depressive Symptome ergaben sich keine eindeutigen Verbesserungen.

Schwere unerwünschte Arzneimittelwirkungen wurden nicht beobachtet. Leichte bis moderate Nebenwirkungen wie Schwindel, Kopfschmerzen und gesteigerter Appetit traten unter Dronabinol jedoch häufiger auf als unter Placebo. Hinweise auf Entzugssymptome nach Beendigung der Behandlung fanden sich nicht. Künftige Untersuchungen sollen klären, ob Dronabinol auch langfristig wirksam und sicher ist oder ob sich im Verlauf ein Toleranzeffekt entwickelt.