Hausärzt:in 04/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Glukokortikoid-Therapie bei Rheuma: Neue Empfehlungen

Eine neue Übersichtsarbeit beleuchtet die Diskrepanz zwischen Leitlinienempfehlungen und klinischer Praxis beim Einsatz von Glukokortikoiden in der Behandlung der rheumatoiden Arthritis. Zudem werden optimale Strategien zur Dosisreduktion und zum Absetzen von Glukokortikoiden sowie deren potenziell sichere Langzeitanwendung diskutiert.

Glukokortikoide sind aufgrund ihrer schnellen und starken entzündungshemmenden Wirkung weiterhin ein zentraler Bestandteil der Therapie entzündlich‑rheumatischer Erkrankungen. Ihre langfristige Anwendung ist jedoch mit bekannten Risiken verbunden, insbesondere durch eine kumulative Toxizität.

Aktuelle Leitlinien zur rheumatoiden Arthritis, zum systemischen Lupus erythematodes (SLE) und zur Polymyalgia rheumatica empfehlen Glukokortikoide vor allem als kurzfristige Überbrückungstherapie. Ziel ist eine rasche Dosisreduktion bei gleichzeitiger Einleitung einer glukokortikoidsparenden Therapie, z. B. mit krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (DMARDs) oder immunmodulatorischen bzw. immunsuppressiven Substanzen.

In der Regel wird angestrebt, die Dosis innerhalb weniger Monate auf ≤ 5 mg Prednisonäquivalent pro Tag zu senken, bei rheumatoider Arthritis und SLE meist innerhalb von 3 bis 6 Monaten, bei Polymyalgia rheumatica oft über einen längeren Zeitraum und die Therapie danach möglichst ganz zu beenden.

Trotz dieser Empfehlungen zeigen Register‑ und Kohortendaten, dass eine Glukokortikoidtherapie über mehr als 6 Monate weiterhin häufig ist. Gründe dafür sind unter anderem schwer kontrollierbare Krankheitsverläufe, Schübe während der Dosisreduktion, eingeschränkter Zugang zu glukokortikoidsparenden Therapien, therapeutische Zurückhaltung sowie praktische Hürden bei der Umsetzung der Leitlinien. Trotz therapeutischer Fortschritte und eines breiten DMARD‑Spektrums bleibt das Treat‑to‑Target‑Ziel bei allen Patient:innen weiterhin schwer erreichbar.

Zunehmende Evidenz zeigt jedoch, dass die Kombination konventioneller Immunsuppressiva mit einer frühzeitigen biologischen Therapie die Reduktion der Glukokortikoiddosis auf ≤ 5 mg/Tag deutlich erleichtert und bei einem Teil der Behandelten ein vollständiges Absetzen ermöglicht. Mehrere neuere Studien zeigen außerdem, dass eine Prednison-Dosis von ≤ 5 mg/Tag nicht mit einer erhöhten Mortalität, Osteoporose oder schweren kardiovaskulären Ereignissen assoziiert ist. Daher kann für Patient:innen, bei denen Absetzen trotz optimaler glukokortikoidsparender Therapie nicht möglich ist, eine dauerhafte Behandlung mit ≤ 5 mg Prednisonäquivalent pro Tag unter sorgfältiger Überwachung ein vertretbares Nutzen‑Risiko‑Verhältnis haben.

Wichtig ist dabei zu berücksichtigen, dass sowohl Glukokortikoide als auch eine unzureichend kontrollierte Entzündung zu ähnlichen unerwünschten Effekten beitragen können. Ziel sollte daher stets sein, die Krankheitsaktivität mit der niedrigstmöglichen Glukokortikoiddosis zu kontrollieren oder idealerweise ganz ohne Glukokortikoide auszukommen.