Hausärzt:in 09/2026
Ärzt:in Assistenz 2026

Zentrale Adipositas bei HFpEF: WHtR prognostisch aussagekräftiger als BMI

Die Fettverteilung scheint bei HFpEF prognostisch relevanter zu sein als das Körpergewicht allein. Eine Analyse der PARAGON-HF-Studie zeigt, dass die Waist-to-Height Ratio (WHtR) Hochrisikopatient:innen zuverlässiger identifizieren könnte als der Body-Mass-Index (BMI).

Adipositas zählt zu den wichtigsten Risikofaktoren für die Entwicklung kardiovaskulärer Erkrankungen, darunter Herzinfarkt und Herzinsuffizienz. Für die Risikoabschätzung bei Patient:innen mit Herzinsuffizienz wird in der klinischen Praxis häufig der Body-Mass-Index (BMI) herangezogen. Neuere Daten legen jedoch nahe, dass die Fettverteilung, insbesondere die zentrale Adipositas, für die Prognose von größerer Bedeutung sein könnte als das Körpergewicht allein.

"Eine moderne und einfach zu bestimmende Alternative ist die Waist-to-Height Ratio (WHtR). Sie setzt den Taillenumfang ins Verhältnis zur Körpergröße und gibt damit einen Hinweis darauf, wie stark sich Fett im Bauchbereich konzentriert", erläutert der Erstautor Alexander Peikert von der Universitätsklinik für Innere Medizin der Med Uni Graz.

Grundlage der Analyse waren Daten der PARAGON-HF-Studie mit 4.796 Patient:innen mit Herzinsuffizienz und einer linksventrikulären Ejektionsfraktion von ≥45 % ( HFpEF). Während anhand des BMI 49 % der Teilnehmer:innen als adipös eingestuft wurden, zeigte die WHtR ein deutlich anderes Bild. 96 % wiesen eine zentrale Adipositas mit erhöhter Fettansammlung im Bauchbereich auf. Die Ergebnisse sprechen damit dafür, dass zentrale Adipositas bei HFpEF deutlich häufiger vorkommt, als anhand des BMI allein erkennbar ist.

Besonders relevant für die klinische Praxis ist, dass auch unter den Patient:innen ohne Adipositas nach BMI-Kriterien mehr als ein Drittel (37 %) eine ausgeprägte zentrale Adipositas aufwiesen. Gleichzeitig waren sowohl ein höherer BMI als auch eine höhere WHtR mit einem erhöhten Risiko für herzinsuffizienzbedingte Hospitalisierungen assoziiert. Im Gegensatz zum BMI zeigte die WHtR jedoch einen linearen Zusammenhang mit dem Risiko für unerwünschte Herzinsuffizienz-Ereignisse und identifizierte einen größeren Anteil von Patient:innen mit besonders hohem Risiko.

Darüber hinaus zeigte sich bei der Bewertung mittels WHtR kein Hinweis auf das sogenannte Adipositas-Paradoxon, das in BMI-basierten Analysen häufig beobachtet wird und eine scheinbar günstigere Prognose bei höherem Körpergewicht suggeriert. Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass dieser Effekt zumindest teilweise auf die begrenzte Aussagekraft des BMI als Maß für die tatsächliche Fettmasse und deren Verteilung zurückzuführen sein könnte.

Untersucht wurde zudem, ob der Grad der Adipositas das Ansprechen auf eine Therapie mit dem Neprilysin-Inhibitor Sacubitril/Valsartan beeinflusst. Zwar zeigte sich bei Patient:innen mit höherem BMI beziehungsweise höherer WHtR tendenziell ein stärkerer Behandlungseffekt, statistisch signifikante Unterschiede über das gesamte Spektrum der Adipositätswerte hinweg konnten jedoch nicht nachgewiesen werden.

Die Ergebnisse stellen die bisherige starke Fokussierung auf den BMI als Surrogatmarker für Adipositas infrage. Sie legen nahe, dass bei Patient:innen mit HFpEF nicht nur das Ausmaß des Körpergewichts, sondern vor allem die Verteilung des Fettgewebes berücksichtigt werden sollte. Die WHtR könnte hierfür ein einfach zu erhebendes, geschlechts- und ethnieunabhängiges sowie prognostisch aussagekräftigeres Maß darstellen. Zudem stützen die Daten die Annahme, dass zentrale Adipositas bei HFpEF nicht lediglich ein Merkmal einer bestimmten Subgruppe ist, sondern vielmehr ein nahezu universelles Kennzeichen dieser Form der Herzinsuffizienz.