Kinder und Erwachsene mit Atemwegsallergien weisen unterschiedliche Sensibilisierungsmuster auf. In einer Studie mit unabhängigen Patient:innenkohorten aus Algerien und der Türkei waren Kinder signifikant häufiger gegen die Hauptallergene der Hausstaubmilbe sensibilisiert, während bei Erwachsenen Sensibilisierungen gegenüber regional vorkommenden Pollenallergenen überwogen. Parallel dazu wurde Asthma bei Kindern mit Atemwegsallergien häufiger diagnostiziert als bei Erwachsenen.
Für die Untersuchung wurden mittels molekularer Allergiediagnostik IgE-Reaktivitätsprofile gegenüber 105 Allergenmolekülen analysiert. Dabei handelt es sich um eine Methode, mit der festgestellt werden kann, gegen welche einzelnen Allergenkomponenten spezifische IgE-Antikörper gerichtet sind. Zunächst wurden Serumproben von 539 allergischen Patient:innen aus der Region Algier untersucht, anschließend erfolgte die Überprüfung der Ergebnisse in einer unabhängigen Kohorte von 272 Patient:innen aus den türkischen Regionen Istanbul und Samsun, die hinsichtlich Klima und Allergenexposition mit der Region Algier vergleichbar sind.
In beiden Studienpopulationen zeigte sich ein konsistentes Bild: Kinder waren häufiger gegen die wichtigsten Hausstaubmilbenallergene sensibilisiert, insbesondere gegen Der p 1 und Der p 2, in Algerien zusätzlich auch gegen Der p 23. Erwachsene reagierten dagegen häufiger auf regionale Freilandallergene. In Algerien betraf dies vor allem Olivenpollen (Ole e 1) und Gräserpollen (Phl p 1), in der Türkei insbesondere Olivenpollen (Ole e 1) sowie Ambrosiaallergene (Amb a 1 und Amb a 8).
Die übereinstimmenden Ergebnisse aus zwei geografisch getrennten Regionen mit vergleichbaren Umweltbedingungen sprechen für altersabhängige Unterschiede im molekularen IgE-Sensibilisierungsprofil. Die Autor:innen vermuten, dass verschiedene exogene Faktoren zu diesen Unterschieden beitragen könnten. Diskutiert werden unter anderem Veränderungen des Lebensstils mit längeren Aufenthalten in Innenräumen, eine verstärkte Exposition gegenüber Innenraumallergenen, Luftverschmutzung, klimatische Veränderungen sowie Veränderungen der Vegetation und damit des Allergenspektrums. Aus dem Querschnittsdesign der Studie lassen sich jedoch keine Rückschlüsse auf kausale Zusammenhänge ableiten.
Auffällig war zudem, dass Asthma in beiden Studienpopulationen bei Kindern mit Atemwegsallergien signifikant häufiger auftrat als bei Erwachsenen. Gleichzeitig zeigten Kinder häufiger Sensibilisierungen gegenüber den dominierenden Hausstaubmilbenallergenen. Die Ergebnisse deuten damit auf einen möglichen Zusammenhang zwischen bestimmten Sensibilisierungsmustern und dem Asthmarisiko hin. Ob die Milbensensibilisierung tatsächlich zur Entwicklung von Asthma beiträgt, kann anhand der vorliegenden Daten jedoch nicht beurteilt werden und müsste in prospektiven Langzeitstudien untersucht werden.
Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer präzisen molekularen Allergiediagnostik. Die Identifikation der jeweils relevanten Allergenmoleküle kann dazu beitragen, Diagnostik und allergenspezifische Immuntherapien gezielter auszurichten und langfristig die Entwicklung alters- und populationsspezifischer Präventionsstrategien zu unterstützen. Insbesondere die unterschiedlichen Sensibilisierungsmuster bei Kindern und Erwachsenen könnten künftig bei der Planung präventiver und therapeutischer Maßnahmen berücksichtigt werden.