Hausärzt:in 09/2026
Ärzt:in Assistenz 2026

Insomnie mit höherem Schlaganfallrisiko verbunden

Eine internationale Übersichtsarbeit der European Academy of Neurology unter Beteiligung der MedUni Wien zeigt: Insomnie ist nicht nur mit schlechtem Schlaf und eingeschränkter Leistungsfähigkeit am Tag verbunden, sondern kann auch auf ein erhöhtes Risiko für Schlaganfall, Krankenhausaufnahmen sowie mehreren neurologischen und psychischen Erkrankungen hinweisen.

Das Forschungsteam fasste für die Untersuchung die verfügbare Evidenz zu sieben Bereichen zusammen: Demenz, Schlaganfall, Depression, suizidalem Verhalten, Sterblichkeit, Arbeitsunfällen und Krankenhausaufnahmen. Zudem wurden zusätzlich neue systematische Reviews zu Schlaganfall, Arbeitsunfällen und Krankenhausaufnahmen durchgeführt.

Für die Analyse zum Schlaganfall wurden neun Studien mit insgesamt mehr als 1,3 Millionen Teilnehmer:innen identifiziert, wovon sechs in einer Metaanalyse zusammengeführt werden konnten. Insomnie war demnach mit einem um 26 % höheren Schlaganfallrisiko verbunden. Für Krankenhausaufnahmen wurden fünf Studien analysiert; bei Menschen mit Insomnie ergab die Metaanalyse dabei um 28 % höhere Chancen auf eine Hospitalisierung.

Für weitere Bereiche der Gehirn- und psychischen Gesundheit zeigten sich ebenfalls Zusammenhänge. Mehrere systematische Reviews fanden Assoziationen zwischen Insomnie und Demenz, besonders der Alzheimer-Krankheit, als auch mit Depression und suizidalem Verhalten. Allerdings waren die Ergebnisse nicht bei allen untersuchten Endpunkten einheitlich.

"Schlaf sollte in jedem Lebensalter Teil der Diskussion über Gehirngesundheit sein. Wir sollten das Bewusstsein für Insomnie und ihre Behandlung stärken und dafür sorgen, dass Schlaf auch in Programmen zur Gesundheitsförderung in Gemeinden, Schulen und am Arbeitsplatz berücksichtigt wird", so Ko-Autor Stefan Seidel. Er ist Neurologe und Schlafmediziner mit Lehrauftrag an der MedUni Wien sowie ärztlicher Direktor der Klinik Pirawarth. In seiner Funktion als Mitglied der EAN initiierte er diese Studie.

Die Autor:innen halten fest, dass die Ergebnisse keine direkte ursächliche Wirkung der Insomnie belegen. Die Aussagekraft einzelner Analysen wird durch Unterschiede bei der Definition von Schlaflosigkeit sowie mögliche Einflussfaktoren wie die Einnahme von Schlafmedikamenten eingeschränkt. Jedoch sprechen die Ergebnisse dafür, Insomnie als möglichen Warnhinweis im Zusammenhang mit Gehirn- und psychischer Gesundheit stärker zu berücksichtigen.

Die Ergebnisse wurden im Fachjournal "Sleep Medicine Reviews" publiziert.