Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) wird im Vergleich zu koronarer Herzkrankheit und Schlaganfall häufig unterschätzt, obwohl sie mit einer erheblichen Krankheitslast und einem deutlich erhöhten kardiovaskulären Risiko verbunden ist. Viele Betroffene bleiben über Jahre oder sogar Jahrzehnte beschwerdearm oder symptomfrei, sodass die Erkrankung oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt wird.
Die PAVK ist jedoch weit mehr als eine Erkrankung der Beinarterien. Sie gilt als Manifestation einer systemischen Atherosklerose und geht mit einem deutlich erhöhten Risiko für Myokardinfarkt, Schlaganfall und kardiovaskulär bedingte Todesfälle einher. Die Autor:innen der aktuellen Lancet-Serie weisen darauf hin, dass die 5-Jahres-Mortalität nach Diagnosestellung bei 30 bis 50 % liegt. Eine frühzeitige Identifikation betroffener Patient:innen und eine konsequente Behandlung sind daher von zentraler Bedeutung.
Bei Patient:innen mit typischen Beschwerden wie belastungsabhängigen Beinschmerzen, aber auch bei Personen mit Diabetes mellitus, Nikotinkonsum, Hypertonie oder Dyslipidämie sollte an eine PAVK gedacht werden. Neben Anamnese und klinischer Untersuchung stellt die Messung des Knöchel-Arm-Index (ABI) ein einfaches und etabliertes Verfahren dar, um die Diagnose zu sichern. Da viele Betroffene keine klassischen Symptome entwickeln, kann insbesondere bei Risikopatient:innen ein aktives Screening dazu beitragen, die Erkrankung früher zu erkennen und rechtzeitig präventive Maßnahmen einzuleiten.
Die Basis der Behandlung bildet die konsequente Kontrolle kardiovaskulärer Risikofaktoren. Dazu zählen insbesondere Rauchstopp, regelmäßige körperliche Aktivität, Blutdruckkontrolle, Lipidsenkung sowie eine optimale Behandlung eines Diabetes mellitus. Ergänzend sollten leitliniengerechte medikamentöse Therapien eingesetzt werden, um das Risiko schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse zu reduzieren.
Bei Patient:innen mit Claudicatio intermittens nimmt ein strukturiertes Gehtraining einen wichtigen Stellenwert ein. Es kann die Gehstrecke und die Lebensqualität verbessern und sollte möglichst früh empfohlen werden. Revaskularisierende Eingriffe sollten dagegen gezielt eingesetzt werden. Nach Einschätzung der Autor:innen werden diese bei Patient:innen mit Claudicatio intermittens teilweise häufiger durchgeführt als notwendig. Vorrangig kommen sie bei einer chronischen, die Extremität bedrohenden Ischämie infrage, wenn ein erhöhtes Risiko für Amputationen besteht.
Neben dem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse hat die PAVK häufig erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität. Chronische Schmerzen, eingeschränkte Mobilität, Verlust von Selbstständigkeit sowie soziale und finanzielle Belastungen können den Alltag der Betroffenen deutlich beeinträchtigen. Umso wichtiger ist die Rolle von Hausärzt:innen bei der frühzeitigen Erkennung gefährdeter Personen, der konsequenten Risikofaktorkontrolle und der langfristigen Begleitung der Patient:innen.
Die Autor:innen der Lancet-Serie fordern daher ein stärkeres Bewusstsein für die Erkrankung, eine frühere Diagnosestellung sowie strukturierte interdisziplinäre Versorgungskonzepte, um die Krankheitslast der PAVK langfristig zu reduzieren.