Menschen mit psychischen Erkrankungen wie Schizophrenie, Depression oder bipolarer Störung sterben im Durchschnitt 10 bis 20 Jahre früher als die Allgemeinbevölkerung. Ursachen dafür sind unter anderem Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselerkrankungen, diese werden durch Bewegungsmangel ausgelöst und gefördert.
Menschen mit Schizophrenie verbringen im Durchschnitt zehn Stunden pro Tag sitzend, mehr als die meisten anderen. Menschen mit Depressionen oder bipolarer Störungen sind bis zu 50 % seltener ausreichend aktiv als ihre jeweiligen Altersgenoss:innen. Die WHO empfiehlt mindestens 150 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive körperliche Aktivität pro Woche.
Bewegungsmangel ist nicht nur ein Symptom der Erkrankung: Es beschleunigt die Entstehung kardiometabolischer Störungen, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes, und verschlimmert Neuroinflammation. Zudem verstärkt Bewegungsmangel die psychiatrischen Symptome, was ein Teufelskreis ist.
Es werden in der Übersichtsarbeit die biologischen Mechanismen dahinter erläutert: Bewegungsmangel stört das Stresshormonsystem (HPA-Achse), erhöht Entzündungsmarker wie C-reaktives Protein und Interleukin-6, beeinträchtigt Dopamin-Belohnungsschaltkreise, die mit Motivation verknüpft sind, und reduziert den Spiegel von BDNF (Brain-Derived Neurotrophic Factor), einem Schlüsselprotein für Gehirngesundheit und Stimmung.
Bewegung kann viele dieser Prozesse umkehren. Es ist mittlerweile evident, dass körperliche Aktivität eine sichere und wirksame Therapie ist für Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen. Daher sollte neben Psychotherapie und Medikamenten auch Bewegungsprogramme in die Behandlung integriert werden.
Wie die Integration von Bewegung in die psychiatrische Versorgung gelingen kann, wird in der Übersichtsarbeit anhand des sogenannten 5A-Modells (Ask, Assess, Advise, Assist, Arrange – Erfragen, Einschätzen, Empfehlen, Unterstützen, Nachbetreuen) beschrieben: Es ermöglicht die Inaktivität zu erfassen, die Bereitschaft zur Verhaltensänderung zu beurteilen, personalisierte Empfehlungen zu geben, die Motivation und Zielsetzung zu unterstützen sowie Verlaufskontrollen und Follow-up-Termine zu organisieren, und alles innerhalb einer normalen klinischen Konsultation.