In der Studie führten die Proband:innen eine Einzelhelfer-Herz-Lungen-Wiederbelebung entweder an einer konventionellen männlichen Simulationspuppe oder an einer Puppe durch, die mit Perücke, BH und Silikonbrüsten als weiblicher Körper modelliert war.
Die Ergebnisse zeigen, dass Ersthelfer:innen nach einem simulierten Herz-Kreislauf-Stillstand Reanimationsmaßnahmen an einer weiblichen Simulationspuppe signifikant schlechter durchführten als an einer männlichen. Bei der Herzdruckmassage wurden im Durchschnitt 80,4 von 100 Punkten bei der männlichen Puppe erreicht, während bei der weiblichen Puppe nur 70,5 Punkte erzielt wurden.
Auch Teilnehmer:innen mit Vorerfahrung in der Reanimation, darunter Rettungssanitäter:innen und Zivildienstleistende, zeigten zwar insgesamt bessere Leistungen, jedoch ebenfalls einen deutlichen Leistungsabfall bei der weiblichen Puppe (87,2 vs. 74,6 Punkte).
Aus medizinischer Sicht bestehen keine Unterschiede in den Reanimationsmaßnahmen zwischen Frauen und Männern. Benjamin Treichl, Oberarzt an der Univ.-Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin der Med Uni Innsbruck erklärt: "Auch bei Frauen soll niemand aus Unsicherheit oder falscher Rücksichtnahme zögern. Es gilt: Bewusstsein und Atmung kontrollieren, wenn diese fehlen, den Notruf veranlassen oder selbst absetzen und dann ohne Zögern wiederbeleben – 30 Mal Herzmassage, 2 Mal Atemspende im Wechsel".
Während der Simulation zeigte sich insbesondere Unsicherheit im Umgang mit dem BH. Für eine adäquate Reanimation sollten jedoch auch weibliche Patientinnen vollständig freigemacht werden. Ein BH ist daher zu entfernen bzw. gegebenenfalls aufzuschneiden.
Die Studienergebnisse decken sich mit internationalen Daten, wonach Frauen in der Öffentlichkeit eine um etwa 14 % geringere Wahrscheinlichkeit haben, reanimiert zu werden. Als mögliche Ursache wird unter anderem die Sorge potenzieller Helfender vor dem Vorwurf eines sexuellen Übergriffs diskutiert.
Darüber hinaus ist der Herz-Kreislauf-Stillstand keine geschlechterneutrale Erkrankung. Bei Frauen liegen häufiger andere Ursachen zugrunde, etwa Herzinsuffizienz, und initial tritt öfter ein nicht-schockbarer Rhythmus auf, was mit einer ungünstigeren Prognose assoziiert ist.
Geschlechterspezifische Aspekte werden bislang sowohl in Erste-Hilfe-Kursen als auch in der Ausbildung von medizinischem Fachpersonal nur unzureichend berücksichtigt. Die Autor:innen der Studie empfehlen daher, künftig häufiger mit weiblichen Simulationspuppen zu trainieren. Da diese bislang nur begrenzt verfügbar sind, verwendet die MedUni Innsbruck derzeit auch adaptierte Standardpuppen, bei denen Brüste aufgeklebt wurden.