Leberzirrhose wird in westlichen Ländern häufig durch einen übermäßigen Alkoholkonsum verursacht und führt zu Komplikationen wie Aszites, Enzephalopathie und Varizenblutungen. Bisher galt das Auftreten dieser Dekompensations-Ereignisse als Zeichen, dass das Krankheitsbild unumkehrbar geworden ist. Eine neue Studie stellt diese Aussage jetzt infrage.
Es wurden 633 Patient:innen mit alkoholbedingter Leberzirrhose aus 17 spezialisierten Zentren in Europa und Asien beobachtet. Alle Patient:innen hatten nach Auftreten von Dekompensations-Ereignissen die Alkoholabstinenz begonnen. Innerhalb von fünf Jahren erreichte rund ein Drittel der Patient:innen eine vollständige Rückbildung sämtlicher leberbedingter Komplikationen bei gleichzeitiger Verbesserung der Leberfunktion. Die Daten zeigen, dass selbst nach Auftreten schwerer Komplikationen bei fortgeschrittener Leberzirrhose, diese nicht zwangsläufig irreversibel waren. Entscheidend für das Erreichen der Re-Kompensation war neben der Ausgangsschwere der Lebererkrankung vor allem das Erreichen einer vollständigen und frühzeitigen Alkoholabstinenz.
Alkoholverzicht kann das Fortschreiten der Lebererkrankung nicht nur stoppen, sondern bei vielen Patient:innen sogar zu einer Verbesserung der Leberzirrhose führen. Entscheidend ist jedoch, dass der Alkoholverzicht bestenfalls sofort nach dem Auftreten von Komplikationen eingehalten wird, dadurch kann die Chance auf Re-Kompensation mehr als verdoppelt werden.
Keine der re-kompensierten Patient:innen mit anhaltender Alkoholabstinenz verstarben an leberbedingten Ursachen. Auch das Risiko für das Auftreten von Leberkrebs war in dieser Gruppe deutlich reduziert und die Gesamtsterblichkeit signifikant niedriger.
Die Studie unterstreicht die zentrale Rolle des vollständigen und dauerhaften Verzichts auf Alkohol als wirksamste therapeutische Intervention bei alkoholbedingten Lebererkrankungen. Ein erneuter Rückfall zu regelmäßigen Alkoholkonsum verschlechtert die Prognose signifikant.