Hausärzt:in 02/2024

Kinder- und Jugendpsychiatrie: Raumstruktur beeinflusst Einsatz von Zwangsmaßnahmen

An psychiatrischen Abteilungen werden immer wieder Zwangsmaßnahmen zur Abwendung von akuter Gefahr eingesetzt. Bislang war bekannt, dass Umgebungsfaktoren wie etwa natürliches Licht oder Rückzugsmöglichkeiten den Einsatz dieser Notfallmaßnahmen bei erwachsenen Patient:innen verändern kann. Jetzt liefert eine Studie den Beweis erstmal für Minderjährige mit psychischen Erkrankungen. Demnach könne architektonische Innovation den Einsatz von Maßnahmen gegen den Willen von Patient:innen reduzieren.

Die Studie an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie von MedUni und AKH Wien wurde vor dem Hintergrund der räumlichen Veränderungen an der Klinik durchgeführt: Diese war im Oktober 2020 in einen eigens adaptierten und renovierten Gebäudeteil am Areal des AKH Wien umgezogen. Dort stehen den Patient:innen dank des vergrößerten Raumangebots jetzt mehr Privatsphäre und Rückzugsmöglichkeiten, aber auch mehr natürliches Licht sowie eine insgesamt modernere und kinder- und jugendlichengerechte Ausstattung zur Verfügung.

Innerhalb von 18 Monaten nach dem Umzug der Klinik kam es gegenüber dem Vergleichszeitraum zu einer Reduktion der Rate an mechanischen Fixierungen von 13,7 auf 8,1 Prozent bei minderjährigen Patient:innen. Auch die Gesamtdauer aller Zwangsmaßnahmen wurde auf fast die Hälfte verkürzt.

Die Forschungsergebnisse wurden aktuell in „Child and Adolescent Mental Health“ publiziert.

Space for youth mental health-coercive measure use before and after architectural innovation at a department of child and adolescent psychiatry