Hausärzt:in 09/2026
Ärzt:in Assistenz 2026

ÖGP zum Welt-Lungentag: Präzisere Biopsien durch robotische Bronchoskopie

Neue robotisch-assistierte Bronchoskopie-Systeme ermöglichen die präzise Biopsie selbst kleinster und peripher gelegener Lungenläsionen. Die ÖGP informiert zum Welt-Lungentag am 25. September über das Potenzial der Technologie für die frühe Lungenkrebsdiagnostik.

Lungenkrebs zählt in Österreich zu den häufigsten malignen Erkrankungen und verursacht weiterhin die meisten krebsbedingten Todesfälle. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass die Diagnose häufig erst in fortgeschrittenen Stadien erfolgt. Da die Prognose maßgeblich vom Erkrankungsstadium bei Diagnosestellung abhängt, kommt der frühzeitigen Detektion und Abklärung pulmonaler Läsionen eine besondere Bedeutung zu.

Durch moderne CT-Technologien werden zunehmend kleine pulmonale Rundherde und andere suspekte Veränderungen erkannt. Die diagnostische Sicherung solcher Läsionen stellt jedoch insbesondere bei kleinen oder peripher gelegenen Befunden nach wie vor eine Herausforderung dar. Die Bronchoskopie ist die zentrale Methode zur Gewinnung von Gewebeproben, stößt bei schwer zugänglichen Lungenherden jedoch an technische Grenzen.

Neue robotisch-assistierte Bronchoskopie-Systeme sollen diese Limitationen überwinden. In Kombination mit moderner 3D-Bildgebung ermöglichen sie eine präzisere Navigation in die peripheren Lungenabschnitte und erleichtern die gezielte Biopsie auch sehr kleiner Läsionen. Internationale Studiendaten zeigen eine hohe diagnostische Ausbeute bei gleichzeitig niedrigen Komplikationsraten. Dadurch könnte die Wahrscheinlichkeit steigen, Lungenkarzinome bereits in frühen Stadien zu diagnostizieren und einer kurativen Therapie zuzuführen.

Seit April 2026 ist an der pneumologischen Abteilung der Klinik Floridsdorf erstmals in Österreich ein robotisch-assistiertes Bronchoskopiesystem in Kombination mit 3D-Bildgebung im klinischen Einsatz. Erste Erfahrungen aus Österreichs größtem Lungenkrebszentrum decken sich mit den bisherigen internationalen Daten aus den USA, Großbritannien und der Schweiz und weisen auf eine verbesserte Detektion früher Krankheitsstadien hin. "Die Kombination aus Roboter-Navigation und 3D-Bildgebung erhöht die Treffsicherheit enorm. Gleichzeitig ist der Eingriff für die Patient:innen maximal schonend und die Komplikationsrate sogar noch geringer als bei der ohnehin sehr risikoarmen konventionellen Bronchoskopie", berichtet OA Dr. Michael Meilinger, Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) und stellvertretender Abteilungsvorstand der Abteilung für Innere Medizin und Pneumologie an der Klinik Floridsdorf.

Die Bedeutung dieser Technologie dürfte mit der geplanten Einführung eines strukturierten Lungenkrebs-Screenings in Österreich weiter zunehmen. Durch Screeningprogramme wird mit einer steigenden Zahl früherkannter und abklärungsbedürftiger pulmonaler Läsionen gerechnet. Robotisch-assistierte Verfahren könnten einen wichtigen Beitrag leisten, diese Befunde zeitnah und präzise diagnostisch abzuklären.

Neben dem potenziellen Nutzen für Patient:innen wird auch ein gesundheitsökonomischer Effekt diskutiert. Trotz hoher Investitionskosten könnten durch eine frühere Diagnosestellung und Behandlung langfristig Kosten fortgeschrittener onkologischer Erkrankungen reduziert werden. Aus Sicht der ÖGP sollte die robotisch-assistierte Bronchoskopie daher künftig an weiteren spezialisierten Zentren etabliert und gemeinsam mit Screeningstrategien weiterentwickelt werden.

Die rasche technologische Entwicklung in der Pneumologie ist auch ein zentrales Thema der 50. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP), die von 22. bis 24. Oktober 2026 gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft für Thoraxchirurgie (OGTC) im Salzburg Congress stattfindet. Unter dem Motto "Lunge digital" stehen aktuelle Entwicklungen in den Bereichen Telemedizin, künstliche Intelligenz und digital vernetzte Patientenversorgung im Fokus. Weitere Informationen finden Sie hier.