Prostatakarzinom ist die häufigste onkologische Erkrankung des Mannes in Österreich. Etwa jeder achte Mann erkrankt im Laufe seines Lebens. Die Prognose hängt wesentlich von der frühzeitigen Diagnose ab, da kurative Therapieoptionen vor allem im asymptomatischen Frühstadium effektiv sind.
In Österreich gibt es bisher kein strukturiertes, nationales Screening-Programm. Das führt dazu, dass Prostatakrebs häufig erst dann entdeckt wird, wenn es bereits zu spät ist. Ein risikoadaptiertes, organisiertes Screening könnte aber die Mortalität signifikant reduzieren sowie Überdiagnosen und unnötige Therapien vermeiden und gleichzeitig Ressourcen effizient einsetzen.
Die Wiener Ärztekammer fordert daher die Implementierung eines strukturierten, risikoadaptierten Screenings mit aktiver Einladung definierter Zielgruppen in festgelegten Intervallen. Aktuell erfolgt die PSA-Testung überwiegend opportunistisch, im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen oder bei unspezifischen Beschwerden. Dies führt zu einer ungleichen Inanspruchnahme sowie zu Überdiagnosen. Einerseits erfolgt eine häufige Testung bei Männern im hohen Alter, andererseits bleibt ein relevanter Anteil der Zielgruppe (40–70 Jahre) ungetestet.
Zudem ist zu berücksichtigen, dass PSA-Werte altersabhängig interpretiert werden müssen: Bei Männern über 50 Jahren kann eine benigne Prostatavergrößerung zu erhöhten PSA-Werten führen, während bei jüngeren Männern erhöhte Werte häufiger mit malignen Veränderungen assoziiert sind.
Shahrokh F. Shariat, Vorstand der Universitäts-Klinik für Urologie am AKH Wien erklärte: "Bei einer zielgerichteten und effizienten Teststrategie brauchen die meisten Männer nur zwei bis drei PSA-Tests in ihrem Leben". Denn zum Beispiel Männer mit dreimaligem PSA < 1 ng/ml im Abstand von fünf Jahren weisen ein sehr geringes Risiko für ein klinisch relevantes Prostatakarzinom auf. Bei auffälligen PSA-Werten sollte eine weiterführende Diagnostik primär mittels MRT erfolgen. Nur bei suspektem MRT-Befund ist eine Biopsie indiziert. Eine routinemäßige digital-rektale Untersuchung kann dabei entfallen.
Die ERSPC-Studie zeigte, dass ein organisiertes Screening die prostatakarzinomspezifische Mortalität in der Per-Protocol-Analyse um 51 % reduziert.
Der Prostatakrebs Screening-Pfad für Männer ab 50:
- Einladungssystem (aktive Rekrutierung)
- Screening-Inhalte: ärztliches Gespräch, klinische Untersuchung, PSA-Test in definierten Intervallen
- Erstmalige Testung mit 50 Jahren
- PSA < 1 ng/ml: Re-Screening nach 5–10 Jahren, danach Abschluss
- PSA 1–2,99 ng/ml: Re-Screening alle 2 Jahre
- PSA ≥ 3 ng/ml: Wiederholung nach 2–6 Wochen
- Bei bestätigter Erhöhung: weiterführende Abklärung:
- Risikostratifikation unter Berücksichtigung von Alter, PSA-Verlauf und familiärer Belastung
- Bei suspektem Befund: multiparametrisches MRT
- Biopsie nur bei auffälligem MRT
Ergänzend wird ein strukturiertes "Männervorsorge-Package" im Rahmen der jährlichen Vorsorgeuntersuchung gefordert, um geschlechtsspezifische Gesundheitsrisiken früher zu erkennen.